Das Pariser Buchfestival findet vom 17. bis 19. April im Grand Palais statt und erwartet einen sehr hohen Besucherandrang; die Tickets sind bereits vor dem Wochenende fast ausverkauft. Hinter dieser Begeisterung verbirgt sich jedoch ein schwieriges Klima, das von mehreren Kontroversen und der Abwesenheit einflussreicher Persönlichkeiten der Verlagswelt geprägt ist.
Hachettes Abwesenheit und Krise bei Grasset
Der erste Streitpunkt betrifft den Rückzug einiger Verlage der Hachette-Gruppe. Fayard, JC Lattès, Stock und Grasset nehmen dieses Jahr nicht teil, was eine deutliche Lücke im Angebot der Buchmesse hinterlässt. Diese Entscheidung lässt sich teilweise durch die parallel stattfindende Veranstaltung zum 200-jährigen Jubiläum der Gruppe erklären, fällt aber auch in eine angespannte Atmosphäre.
Olivier Noras Ausscheiden als Herausgeber des Grasset-Verlags hat in der Literaturwelt heftige Reaktionen hervorgerufen. Über hundert Autoren haben aus Protest gegen diese Entlassung ihren Austritt aus dem Verlag angekündigt und in einer Erklärung einen „ideologischen Krieg zur Durchsetzung des Autoritarismus in Kultur und Medien“ angeprangert. Diese Haltung hat die Spannungen rund um das Festival weiter verschärft.
Amazon zieht sich zurück, ein erhebliches finanzielles Defizit
Ein weiteres bedeutendes Ereignis war der Rückzug von Amazon, einem bis dahin wichtigen Finanzpartner. Der E-Commerce-Riese verließ die Veranstaltung nach Kritik des französischen Buchhändlerverbands, der sie als „großes Risiko“ für die Branche bezeichnete. Amazon erklärte, man habe diese Entscheidung getroffen, um eine „absurde Kontroverse“ zu vermeiden.
Dieser Weggang hatte konkrete Folgen. Laut Pierre-Yves Bérenguer, dem Festivaldirektor, der von Livres Hebdo zitiert wird, verlor die Organisation bei einem Gesamtbudget von 5 Millionen Euro rund 800.000 Euro. Trotzdem behauptet das Festival, dies dank neuer Partner und einer starken Publikumsnachfrage kompensiert zu haben.
Um seine Attraktivität zu erhalten, rückt die Veranstaltung in diesem Jahr, nach der Absage des Internationalen Comicfestivals von Angoulême, Comics in den Mittelpunkt. Das Thema Reisen prägt das gesamte Programm mit über 1.200 Autoren und fast 300 geplanten Veranstaltungen. Trotz der aktuellen Spannungen bleibt das Festival ein wichtiges Ereignis für Leser.
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