In „Wanted“ spottet Philippe Claudel über die neuen Herren der Welt
 In „Wanted“ spottet Philippe Claudel über die neuen Herren der Welt

Mit „Wanted“, seinem neuen dystopischen Roman, stellt sich Philippe Claudel eine Welt vor, in der Trump, Musk und Putin in einem burlesken Delirium ihre Gesetze diktieren, das gefährlich mit unserer Realität flirtet.

Eine burleske Fabel über das Ende der politischen Vernunft

Was wäre, wenn Fiktion nichts weiter wäre als ein Zerrspiegel einer Realität, die bereits zu verrückt ist? Dies ist das kühne Wagnis von Philippe Claudel in Wanted, das am 14. Mai bei Stock erscheint. Auf 137 Seiten liefert der Schriftsteller und Präsident der Académie Goncourt eine düstere Dystopie, in der die amerikanische Supermacht aus den Fugen gerät, angeführt von einem Donald Trump wiedergewählt, flankiert von Elon Musk, bereit, die Regeln der modernen Welt neu zu schreiben. All dies vor dem Hintergrund eines nicht enden wollenden Krieges in der Ukraine und Wladimir Putin, der zum Ziel eines Milliardenauftrags geworden ist, der live aus dem Weißen Haus lanciert wurde.

Die völlig abwegige Geschichte beginnt wie ein schlechter Science-Fiction-Film: Trump und Musk treffen sich im Oval Office und verkünden öffentlich ein gigantisches Kopfgeld für denjenigen, der den russischen Präsidenten eliminiert. Ein Unding? Vielleicht, aber nicht weniger unglaubwürdig als manche Aussagen des echten Trump, gibt der Autor zu bedenken. Der höllische Mechanismus wird in Gang gesetzt. Die Demokratien ihrerseits bleiben machtlos und fassungslos, sie sind Zuschauer einer Welt, die in einer räuberischen Logik versinkt.

Eine Welt, die privater Logik und spektakulärer Gewalt unterworfen ist

Dieser satirische Roman veranschaulicht einen erschreckenden Wandel: den einer Welt, in der Brutalität und private Interessen Vorrang vor der Rechtsstaatlichkeit haben. Philippe Claudel beschreibt eine Menschheit, die in der Gefräßigkeit von Technokratie und Finanzen gefangen ist und in der die Regeln der Diplomatie im Namen der Effizienz mit Füßen getreten werden. In der Nachkriegszeit entwickelte sich die Ukraine zu einem riesigen Schaufenster der Globalisierung, das den Giganten der Energie-, Bau- und Konsumbranche überlassen wurde.

Doch „Wanted“ ist nicht bloß ein Pamphlet gegen die Exzesse der Mächtigen. Es ist zugleich eine Anklage gegen die Untätigkeit der traditionellen Demokratien. Angesichts der Provokationen des Trump-Musk-Tandems erweisen sich die Gegenmächte als ineffektiv und verhärtet. „Alle Aussagen Trumps wurden ernst genommen, selbst die verrücktesten“, schreibt Claudel und betont die Realität einer Macht, die handelt, ungeachtet der Absurdität der Aussage.

Der Roman wurde vom Verlag als „burleske Fabel“ präsentiert und hat ein eindrucksvolles Cover: Die Gesichter von Trump, Musk und Putin sind wie Banditen aus dem Wilden Westen dargestellt. Claudel treibt hier die Messlatte des Absurden höher, um die beunruhigenden Exzesse unserer Zeit deutlicher zu machen. Und es wirft eine zentrale Frage auf: Wie können demokratische Gesellschaften noch Widerstand leisten, wenn Unvernunft zur politischen Strategie wird?