Wie soeben bekannt wurde, war das Fahrzeug von Jean-Pierre Raffarin am 11. Juni in Paris in einen Verkehrsunfall verwickelt. Der ehemalige Premierminister fuhr in einer Limousine mit eingeschaltetem Blaulicht und Sirene, als er eine rote Ampel missachtete und mit einem Rollerfahrer kollidierte. Der Unfall ereignete sich im Bereich des Boulevard Malesherbes, nahe dem Parc Monceau. Raffarins Fahrzeug hatte die Warnblinkanlage eingeschaltet. Trotzdem fuhr der Wagen bei Rot über die Ampel und stieß mit dem Roller zusammen. Der Rollerfahrer wurde noch am Unfallort vom Rettungsdienst behandelt.
Ein Unfall, der Kontroversen ausgelöst hat
Abgesehen vom Unfall selbst stellt sich die Frage: Warum fuhr Jean-Pierre Raffarin noch immer in einem Fahrzeug mit Chauffeur? Seit Januar haben ehemalige Ministerpräsidenten nach einer gewissen Zeit nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt keinen automatischen Anspruch mehr auf diese Vergünstigung. Jean-Pierre Raffarin schied 2005 aus dem Amt des Ministerpräsidenten aus. Mehr als 20 Jahre später wirft seine Anwesenheit in einem Fahrzeug mit Chauffeur Fragen hinsichtlich des Fortbestands der staatlichen Privilegien auf, die die Bestimmungen angeblich gewährleisten.
Der Fall ist umso heikler, als das Fahrzeug nicht wie ein gewöhnlicher Pkw gefahren wurde. Blaulicht, Sirene, Überfahren einer roten Ampel: All dies deutet auf die Verwendung von Codes hin, die für bestimmte Situationen reserviert sind und angeblich einem echten Bedürfnis entsprechen. Die Szene erweckt somit den Eindruck, dass eine ehemalige politische Persönlichkeit weiterhin im öffentlichen Raum bevorzugt behandelt wird.
Das Privileg erlischt nicht immer mit dem Erlass des Dekrets.
Das offizielle Ende eines Privilegs reicht nicht immer aus, um es in der Praxis verschwinden zu lassen. Genau das zeigt dieser Vorfall. Offiziell kürzt der Staat die Privilegien ehemaliger Premierminister. Doch auf der Straße sieht man einen ehemaligen Regierungschef immer noch mit Chauffeur, Blaulicht und Sirene im Auto herumfahren. Die Diskrepanz zwischen der Rhetorik der öffentlichen Zurückhaltung und der Realität, die manche ehemalige Staatschefs erleben, ist kaum noch zu übersehen.
Ein schockierender Aufbruch zu Fuß
Nach Eintreffen der Rettungskräfte stieg Jean-Pierre Raffarin Berichten zufolge aus dem Fahrzeug und verließ den Unfallort zu Fuß in Richtung Parc Monceau. Bei einem Unfall mit einem Verletzten ist es üblich, am Unfallort zu bleiben und nicht zu fliehen. Die Tatsache, dass ein ehemaliger Premierminister den Unfallort angeblich verließ, nachdem ein Mann kurz zuvor von dem sich ihm nähernden Fahrzeug erfasst worden war, zeichnet ein verheerendes Bild.
Eines ist sicher: Dieser Unfall wird die Franzosen nicht mit der politischen Klasse versöhnen, die allzu oft selbst die Regeln bricht, anstatt mit gutem Beispiel voranzugehen, und gleichzeitig dem Volk Moralpredigten hält…