Der Berufungsprozess gegen Gaël Perdriau begann am Montag vor dem Berufungsgericht Lyon. Der ehemalige Bürgermeister von Saint-Étienne, der in erster Instanz wegen Erpressung mit einem Sexvideo, krimineller Verschwörung und Veruntreuung öffentlicher Gelder zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde, von denen vier zur Bewährung ausgesetzt wurden, behauptet, neue Beweise zu haben, die seine Unschuld beweisen könnten.
Nach seiner Ankunft im Gerichtsgebäude erklärte der 53-jährige Ex-Politiker, dass im Laufe des Verfahrens „viele neue Aspekte“ zur Sprache kommen würden. Er bleibt seiner Verteidigung treu, bestreitet alle Anklagepunkte und beteuert weiterhin, seine Verurteilung im vergangenen Dezember sei ein Justizirrtum gewesen.
Ein Fall, der das politische Leben von Saint-Étienne erschüttert
Der Fall nahm seinen Anfang mit einer Falle, die 2015 für Gilles Artigues, den damaligen ersten stellvertretenden Bürgermeister von Saint-Étienne, gestellt wurde. Er wurde ohne sein Wissen in einem Pariser Hotelzimmer mit einem jungen männlichen Prostituierten gefilmt. Laut Anklage wurde dieses Video anschließend benutzt, um Druck auf ihn auszuüben und ihn daran zu hindern, sich von der Mehrheit im Stadtrat zu distanzieren.
Zwei Mitangeklagte, der ehemalige stellvertretende Bürgermeister Samy Kéfi-Jérôme und sein ehemaliger Partner Gilles Rossary-Lenglet, gaben zu, an der Planung dieses Komplotts beteiligt gewesen zu sein. Sie behaupten seit Jahren, Gaël Perdriau sei der Drahtzieher gewesen, was der ehemalige Bürgermeister weiterhin kategorisch bestreitet.
Widersprüchliche Zeugenaussagen stehen im Mittelpunkt des Falles
Im Zuge der Ermittlungen und des anschließenden Prozesses argumentierten mehrere Personen, das Video sei als Mittel politischen Drucks eingesetzt worden. Gilles Rossary-Lenglet, der den Fall 2022 erstmals öffentlich machte, hält an seinen Anschuldigungen fest und behauptet, der ehemalige Bürgermeister habe ihn gebeten, die Aufnahme anzufertigen.
Gaël Perdriau räumt ein, bereits 2015 von der Existenz des Videos gewusst zu haben, behauptet aber, es nie gesehen zu haben. Er beteuert, die Angelegenheit als Beziehung zwischen einwilligungsfähigen Erwachsenen betrachtet zu haben und sich niemals an einer Erpressung beteiligt zu haben.
Ein mit Spannung erwarteter Prozess
Diese Berufung ist ein entscheidender Schritt für den ehemaligen Bürgermeister, der nach seiner Verurteilung bereits sein Amt verloren hat und mehrere Wochen in Untersuchungshaft saß. Sein Anwalt will das Gericht davon überzeugen, dass das ursprüngliche Urteil auf einer Fehlinterpretation der Tatsachen beruhte.
Die Anhörungen werden voraussichtlich mehrere Tage andauern. Sie könnten eine detaillierte Untersuchung der Verantwortlichkeiten jedes Einzelnen in diesem Fall ermöglichen, der sich zu einem der aufsehenerregendsten politischen und juristischen Skandale der letzten Jahre entwickelt hat.
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