Der Videospielverlag Nacon beantragt die Unterstellung unter gerichtliche Verwaltung
Der Videospielverlag Nacon beantragt die Unterstellung unter gerichtliche Verwaltung

Ein weiterer Schlag für die französische Videospielbranche. Der Publisher Nacon gab am Mittwoch bekannt, dass er die Zahlungen eingestellt hat und aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten seiner Muttergesellschaft BigBen Interactive Gläubigerschutz beantragt.

In einer Erklärung räumt das Unternehmen ein, dass seine verfügbaren Vermögenswerte nicht mehr ausreichen, um seine laufenden Verbindlichkeiten zu decken. Es hofft, dass die Einleitung dieses Verfahrens es ihm ermöglichen wird, den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, seine Mitarbeiter zu schützen und seine Schulden in einem sicheren Rahmen neu zu verhandeln. Die Entscheidung des Handelsgerichts Lille wird Anfang März erwartet.

Bedenken hinsichtlich der Beschäftigung im französischen Sektor

Die Schwierigkeiten von Nacon hängen direkt mit denen von BigBen Interactive zusammen, einem Unternehmen, das sich auf Konsolenzubehör spezialisiert hat. BigBen Interactive hat ein gütliches Schlichtungsverfahren mit seinen Gläubigern eingeleitet, nachdem es seit dem 19. Februar eine Kreditrate von rund 43 Millionen Euro nicht mehr bedienen konnte. Die Aktien beider Unternehmen, deren Handel seit dem 20. Februar nach einem starken Kursverfall ausgesetzt ist, haben in den letzten Jahren einen drastischen Wertverlust erlitten. Nacon ist aktuell nur noch etwa 28 Millionen Euro wert, BigBen hingegen nur noch 9 Millionen Euro.

Nacon wurde 2019 gegründet, hat seinen Sitz in Lesquin (Nord) und vereint 16 Entwicklungsstudios, darunter Spiders, Cyanide, Kylotonn und Eko Software, mit über tausend Mitarbeitern. Allerdings wurde der Publisher durch enttäuschende Verkaufszahlen einiger Titel, wie beispielsweise des Spiels, geschwächt. Der Herr der Ringe: GollumDer Film erschien 2023 und wurde von Kritikern sehr schlecht aufgenommen. In den letzten Jahren sah sich das Unternehmen zudem mit sozialen Spannungen konfrontiert, die in Streiks in einigen Studios gegen die sich verschlechternden Arbeitsbedingungen und die Burnout-Gefahr sprachen.

Die Situation von Nacon trifft die gesamte Branche in einer schwierigen Zeit. Nach einem Boom während der Pandemie befindet sich die Videospielindustrie seit fast zwei Jahren in einer Abschwungphase, die von Entlassungen und Studioschließungen weltweit geprägt ist. Auch Ubisoft, der Marktführer in Frankreich, hat eine umfassende Restrukturierung mit einem deutlichen Kostensenkungsprogramm eingeleitet. Die Schwierigkeiten von Nacon, dem drittgrößten französischen Publisher nach Ubisoft und Pullup, verschärfen die Sorgen um eine Branche, die in Frankreich rund 12.000 Menschen beschäftigt.