Trump behält US-General als NATO-Chef und lindert damit die Angst vor einem US-Abzug
Trump behält US-General als NATO-Chef und lindert damit die Angst vor einem US-Abzug

WASHINGTON/BRÜSSEL — Der Präsident Donald Trump hat in aller Stille bestätigt, dass er einen US-General zum Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) ernennen wird. Diese Schlüsselrolle in der NATO wird seit dem Zweiten Weltkrieg traditionell von den USA innegehabt. Diese Entscheidung soll laut mehreren mit der Angelegenheit vertrauten Quellen die europäischen Verbündeten beruhigen, da die Fragen zum US-Engagement im transatlantischen Bündnis zunehmen.

Generalleutnant Alexus Grynkewich von der Luftwaffe soll in den kommenden Tagen offiziell zum Nachfolger von General Christopher Cavoli ernannt werden. Letzterer hatte seit der russischen Invasion im Jahr 2022 die westliche Militärhilfe für die Ukraine überwacht. Grynkewich, derzeit Operationsdirektor der Vereinigten Stabschefs, würde auch die Leitung des United States European Command (EUCOM) übernehmen.

Trump teilte dem NATO-Generalsekretär seine Entscheidung persönlich mit. Mark Rutte, während eines privaten Austauschs, so ein westlicher Beamter. Weder das Weiße Haus, das Pentagon noch die NATO haben diese Informationen bisher kommentiert.

Die Beibehaltung eines Amerikaners an der Spitze der NATO ist eine direkte Reaktion auf die Sorgen der Verbündeten, aber auch auf jene, die von republikanischen Parlamentariern geäußert wurden. Im März veröffentlichten die Vorsitzenden der für die Überwachung des Pentagons zuständigen Kongressausschüsse eine ungewöhnliche gemeinsame Erklärung, in der sie vor einem möglichen Rückzug der USA aus der Kommandostruktur der NATO warnten.

Seit seiner Wiederwahl hat Trump die Europäer wiederholt aufgefordert, ihre Militärausgaben zu erhöhen und mehr Verantwortung für ihre eigene Verteidigung zu übernehmen. In internen Diskussionen innerhalb seiner Regierung wurde sogar erwogen, den Posten des SACEUR einem europäischen General anzuvertrauen, was einen historischen Bruch bedeutet hätte.

Obwohl diese Option mittlerweile ausgeschlossen ist, wird die Idee einer teilweisen Verlegung der rund 80 in Europa stationierten US-Soldaten weiterhin geprüft. „Präsident Trump wird nicht zulassen, dass irgendjemand aus Uncle Sam einen ‚Onkel Taube‘ macht“, sagte Verteidigungsminister Pete Hegseth im Februar bei einem Besuch im NATO-Hauptquartier.

Die Entscheidung, das US-Kommando an der Spitze der NATO zu belassen, dürfte allerdings nur vorübergehend sein. Washington erwägt weiterhin eine strategische Neuausrichtung auf Asien und die innere Verteidigung. Doch stellt die Kontinuität der amerikanischen Militärführung in Europa derzeit ein beruhigendes Signal für ein Bündnis dar, das weiterhin unter Druck steht, während sich der Krieg in der Ukraine hinzieht und das geopolitische Gleichgewicht weiterhin ungewiss ist.