Sudan: Islamisten bereiten politisches Comeback vor und unterstützen die Armee im Bürgerkrieg
Sudan: Islamisten bereiten politisches Comeback vor und unterstützen die Armee im Bürgerkrieg

Sudanesische Islamisten, die nach dem Aufstand von 2019 längst von der Macht verdrängt waren, bereiten sich darauf vor, wieder in der nationalen Politik Fuß zu fassen. Dabei nutzen sie ihr informelles Bündnis mit der Armee im anhaltenden Konflikt gegen die Rapid Support Forces (RSF). Mehrere Persönlichkeiten der islamistischen Bewegung bestätigten gegenüber Reuters ihre aktive Unterstützung der Militärkampagne und deuteten gleichzeitig ihre Ambitionen auf eine Rückkehr an die Macht an.

Ahmed Haroun, ein ehemaliger hochrangiger Funktionär der Nationalen Kongresspartei (NCP) von Ex-Präsident Omar al-Bashir und vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht, äußerte sich aus dem Versteck in seinem ersten öffentlichen Interview seit Jahren. Er sagte, das Militär werde nach dem Krieg eine politische Rolle spielen, und künftige Wahlen könnten den Weg für eine Rückkehr des alten islamistischen Regimes ebnen. Er sprach von der Notwendigkeit eines Regierungsmodells, das das Militär ausdrücklich in die nationale Politik einbezieht.

Haroun und andere Islamisten behaupten, direkt an den jüngsten militärischen Vorstößen der sudanesischen Armee beteiligt zu sein, insbesondere in der zerstörten Hauptstadt Khartum. Sie sagen, Mitglieder der Bewegung hätten Kämpfer und logistische Ressourcen bereitgestellt, um die Armee im Kampf gegen die RSF zu unterstützen, die sich in ihren Hochburgen in Darfur und Teilen des Südens des Landes festgesetzt hat.

Die Armee ihrerseits hat offiziell jegliche Zusammenarbeit mit politischen Parteien, einschließlich der NCP, bestritten. Doch vor Ort berichten Beobachter von zunehmenden Hinweisen auf eine aktive, ja sogar geduldete Zusammenarbeit zwischen Islamisten und bestimmten Militärkreisen. Diese Dynamik weckt bei Zivilisten und prodemokratischen Gruppen Besorgnis. Sie befürchten eine schleichende Rückkehr des alten Regimes unter dem Deckmantel der Sicherheitsstabilität.

Der 2023 ausgebrochene Krieg hat den Sudan laut UN in eine der schlimmsten humanitären Krisen der Welt gestürzt. Er hat ethnische Massaker, weitverbreitete Hungersnöte und die Vertreibung von Millionen Menschen verursacht. Die Aussicht auf Frieden ist weiterhin gering, da die Kämpfe in mehreren Teilen des Landes trotz jüngster militärischer Erfolge weiter wüten.

Inmitten dieses Chaos hoffen die Islamisten, das institutionelle Vakuum und die Erosion der Machtkräfte für eine Neupositionierung zu nutzen. Ihre mögliche Rückkehr in die Politik, unterstützt durch Waffen und Militär, stellt einen wichtigen Wendepunkt für die Zukunft des Landes und die demokratischen Bestrebungen des Aufstands von 2019 dar.