Das EU-Emissionshandelssystem (EU-ETS), ein Eckpfeiler der EU-Klimapolitik, sieht sich zunehmender Kritik ausgesetzt. Mehrere Branchen und Mitgliedstaaten befürchten, dass die CO₂-Kosten die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft belasten, die ohnehin durch den internationalen Wettbewerb und die energiepolitischen Spannungen im Zusammenhang mit dem Krieg im Nahen Osten geschwächt ist.
Dieser 2005 eingeführte Mechanismus verpflichtet die umweltschädlichsten Branchen zum Kauf von Emissionszertifikaten. Der Preis pro Tonne CO₂ liegt derzeit bei rund 70 Euro, während die Anzahl der verfügbaren Zertifikate schrittweise reduziert wird, um Anreize zur Emissionsminderung zu schaffen.
Zunehmender politischer Druck
Einige Länder, insbesondere Polen und Tschechien, fordern seit Langem eine Reform des Systems. Ihnen hat sich kürzlich Italien angeschlossen, das vorschlägt, den CO₂-Markt auszusetzen, um ihn grundlegend zu überarbeiten. Mehrere Industrielle fordern zudem eine Preisobergrenze für CO₂ und eine Verlängerung der kostenlosen Zertifikate über das Jahr 2034 hinaus.
Angesichts dieser Kritik verteidigen andere Staaten, darunter Spanien und die skandinavischen Länder, diesen Mechanismus als zentrales Instrument der Energiewende. Die Europäische Kommission wird 2026 eine Überarbeitung des Systems vorlegen, ohne jedoch dessen Grundprinzipien in Frage zu stellen, und gleichzeitig nach Lösungen suchen, um die Auswirkungen der Energiekosten auf die europäische Wirtschaft zu begrenzen.