Dominique de Villepin, der am Montag zur Sendung „L'invité de 8h20: le grand entretien“ auf France Inter eingeladen war, kritisierte die von den USA und Israel angeführte Militärintervention gegen den Iran scharf. Laut dem ehemaligen Premierminister stelle diese Offensive ein „Spiel“ dar, das sich schnell zu einer „Falle“ entwickeln und in einem regionalen „Sumpf“ enden könne.
Seit Samstag haben Washington und Tel Aviv eine Reihe von Angriffen auf iranische Ziele durchgeführt. Der Oberste Führer Ali Khamenei wurde bei diesen Operationen getötet. Dominique de Villepin räumt zwar ein, dass die Schwächung eines der Repression beschuldigten Regimes Erleichterung bringen könnte, glaubt aber dennoch, dass „die Beseitigung eines Führers das Problem nicht löst“. Seiner Ansicht nach verfügt das iranische Regime weiterhin über beträchtliche Kontroll- und Repressionskapazitäten.
„Ein Wagnis“, das sich als „Falle“ erweisen könnte
Laut dem ehemaligen französischen Außenminister beruht die amerikanische Strategie auf der Annahme, dass ein gezielter Angriff einen Volksaufstand auslösen und zu einem Regimewechsel führen könnte. Er warnt jedoch vor dem gegenteiligen Szenario: einer Verfestigung der bestehenden Machtstrukturen und einem asymmetrischen Krieg mit Beteiligung regionaler Akteure, die mit Teheran verbündet sind.
Dominique de Villepin ist ebenfalls der Ansicht, dass diese Entscheidung die völkerrechtlichen Grundlagen schwächt. „Die Vereinigten Staaten werden einen sehr hohen Preis für diese Missachtung der internationalen Ordnung zahlen“, erklärte er und prangerte die „imperiale Logik“ an, bei der Gewalt Vorrang vor Verhandlungen habe. Er hinterfragt insbesondere den Einsatz von Gewalt während der laufenden Gespräche in Oman über das iranische Atomprogramm.
Der ehemalige Premierminister erinnerte an die französische Position aus dem Jahr 2003, die sich gegen die Intervention im Irak aussprach, und verwies auf die jüngste Geschichte, die die Risiken einer dauerhaften Destabilisierung nach groß angelegten Militäroperationen verdeutlicht.
Aufruf zu Deeskalation und Dialog
Dominique de Villepin plädiert für eine diplomatische Initiative unter Beteiligung von Ländern der Region und anderen internationalen Akteuren, um eine Eskalation des Konflikts zu verhindern. Seiner Ansicht nach „kann Frieden nicht durch Bombenangriffe geschaffen werden“.
Er fordert die Wahrung der Grundsätze des Völkerrechts und die Klarstellung der von den Vereinigten Staaten verfolgten Ziele, da er der Ansicht ist, dass ein Mangel an einer kohärenten Strategie zu verstärkter Instabilität im Nahen Osten führen könnte.
Diese Aussagen erfolgen inmitten einer militärischen Eskalation. Nach den US-israelischen Luftangriffen vom 28. Februar startete der Iran Vergeltungsangriffe gegen Israel und mehrere Golfstaaten. Laut dem Iranischen Roten Halbmond kamen bei den Bombenangriffen im Iran mehr als 500 Menschen ums Leben.