Ungewöhnlich – Adolf Hitlers Geburtsort wird zur Polizeistation, um Neonazi-Pilgerfahrten zu unterbinden.
Ungewöhnlich – Adolf Hitlers Geburtsort wird zur Polizeistation, um Neonazi-Pilgerfahrten zu unterbinden.

Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn, Österreich, wurde offiziell in eine Polizeiwache umgewandelt. Nach mehrjähriger Renovierung und Kosten von rund 20 Millionen Euro beherbergt das Gebäude nun eine Polizeiwache und das Bezirkspolizeipräsidium. Die österreichischen Behörden wollen verhindern, dass diese historische Adresse weiterhin rechtsextreme Aktivisten und Nazi-Sympathisanten anzieht.  

Die Polizei richtet sich in der Salzburger Vorstadt 15 ein.

Die neue Polizeiwache in Braunau am Inn wurde am Mittwoch, dem 22. Juli 2026, um 10:00 Uhr im Beisein des österreichischen Innenministers Gerhard Karner und des Staatssekretärs Jörg Leichtfried offiziell eröffnet. Lokale Inspektoren und Mitarbeiter der Bezirksleitung werden in der Salzburger Vorstadt 15 im Zentrum der an Bayern grenzenden österreichischen Stadt ihren Dienst tun. Das Projekt umfasst auch Räumlichkeiten für die Ausbildung von Polizeibeamten, insbesondere im Bereich Menschenrechte. Die Wache bietet Platz für bis zu 50 Polizeibeamte.  

Die Adresse, an der Adolf Hitler 1889 geboren wurde

Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in diesem Haus geboren. Seine Eltern, Alois und Klara Hitler, besaßen das Haus nicht, sondern mieteten eine Wohnung in dem ehemaligen Gebäude, in dem sich einst ein Gasthaus, eine Brauerei und mehrere andere Wohnhäuser befanden. Anders als oft behauptet, wohnte die Familie Hitler nicht fünf Jahre lang in diesem Haus. Sie verließen es wenige Monate nach Adolf Hitlers Geburt und ließen sich in Braunau nieder. Als der Junge etwa drei Jahre alt war, zog die Familie nach Passau.  

Ein Gebäude, das zu einem Symbol für Neonazis geworden ist

Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte das Gebäude nacheinander eine Stadtbibliothek, eine Bank, Klassenzimmer und ein Zentrum für Menschen mit Behinderungen. Letzteres verließ die Räumlichkeiten im Jahr 2011, hauptsächlich weil das Gebäude nicht mehr den erforderlichen Standards entsprach.

Das Haus stand dann mehrere Jahre leer. Seine Lage und Geschichte zogen weiterhin Touristen an, aber auch Neonazi-Aktivisten, die vor der Fassade ihre Ehrerbietung erwiesen, Blumen niederlegten oder Fotos machten.  

Im April 2024 wurden vier deutsche Staatsangehörige festgenommen, nachdem sie weiße Rosen vor dem Haus niedergelegt hatten, um Adolf Hitlers Geburtstag zu begehen. Eine Frau zeigte beim Fotografieren den Hitlergruß. Bereits 2021 hatte ein Mann aus Berlin einen Kranz an dem Gebäude niedergelegt.  

Eine Enteignung nach langem Streit

Jahrzehntelang pachtete das österreichische Innenministerium das Haus, um zu verhindern, dass es in die Hände von nationalsozialistischen Gruppen fiel. Nachdem das Behindertenzentrum ausgezogen war, konnten sich die Behörden und der Eigentümer nicht über die Zukunft des Gebäudes einigen. Der österreichische Staat leitete schließlich ein Enteignungsverfahren ein. Die Gerichte bestätigten diese Entscheidung 2017 und beendeten damit jahrelange Rechtsstreitigkeiten. Ein Abriss war zwischenzeitlich erwogen, dann aber verworfen worden. Eine Expertenkommission sprach sich gegen die Errichtung eines Adolf-Hitler-Museums aus. Sie empfahl einen umfassenden Umbau des Hauses, um dessen sofort erkennbaren Charakter zu reduzieren und das Gelände für neonazistische Bewegungen unattraktiver zu machen.

Eine völlig umgestaltete gelbe Fassade

Die Arbeiten begannen im Oktober 2023. Die alte gelbe Fassade wurde weiß gestrichen, das Dach saniert und die Raumaufteilung im Inneren grundlegend umgestaltet. Der gesamte Komplex, bestehend aus Wohnhaus, Nebengebäuden und Innenhof, umfasst rund 3.000 Quadratmeter. Das Architekturprojekt wurde dem österreichischen Büro Marte.Marte anvertraut. Die Architekten veränderten das äußere Erscheinungsbild, wobei Teile der denkmalgeschützten Bausubstanz erhalten blieben. Einige Steine ​​mit der Inschrift „Volksbücherei Braunau“, die an die ehemalige Bibliothek erinnern, wurden entfernt und dem Haus der Österreichischen Geschichte in Wien übergeben. Das Projekt kostete rund 20 Millionen Euro, das Vierfache der ursprünglich im Jahr 2020 veranschlagten Summe. Die Fertigstellung verzögerte sich um etwa drei Jahre. Die Behörden trafen während der Arbeiten besondere Vorkehrungen: Der Bauschutt wurde vor Ort zerkleinert und anschließend mit anderen Materialien vermischt, um zu verhindern, dass Fragmente des Hauses als NS-Sammlerstücke geborgen werden konnten.  

Die Polizeipräsenz soll Versammlungen verhindern.

Die Umwandlung in eine Polizeiwache ist rein praktischer Natur. Das Gebäude wird videoüberwacht und ist täglich mit Polizeibeamten besetzt. Jeder, der Nazi-Symbole anbringt, den Hitlergruß zeigt oder eine Versammlung organisiert, kann schnell überprüft werden. Die österreichische Regierung hofft somit, diesen ehemaligen Wallfahrtsort in ein gewöhnliches Verwaltungsgebäude zu verwandeln, das in den städtischen Alltag integriert ist.  

Die Wahl der Polizeistation ist weiterhin umstritten.

Das Projekt stieß jedoch nicht überall auf Zustimmung. Einige Anwohner, Historiker und Vereine hätten die Errichtung eines Bildungszentrums bevorzugt, das den Verbrechen des Nationalsozialismus, dem Holocaust, dem Widerstand und denjenigen gewidmet ist, die während des Krieges Juden retteten. Sie kritisierten insbesondere, dass dem Gebäude eine angemessene Dauerausstellung zur historischen Geschichte fehle. Für diese Gegner reicht es nicht aus, lediglich die Fassade zu verändern und eine Polizeistation einzurichten, um den Besuchern das Vergangene verständlich zu machen.  

Der antifaschistische Gedenkstein steht noch immer vor dem Haus.

In unmittelbarer Nähe des Gebäudes befindet sich eine 1989 errichtete Stele. Der Stein stammt aus einem Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen. Er trägt eine Inschrift zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus: „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen uns zum Gedenken.“