Die OPEC+ hat sich laut drei mit den Gesprächen vertrauten Quellen im Prinzip darauf geeinigt, ihre Ölförderquoten für den Monat Mai um 206.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Dies geschah im Vorfeld eines offiziellen Treffens am kommenden Sonntag. Es wird jedoch erwartet, dass diese Erhöhung weitgehend theoretischer Natur bleibt, da die großen Produzenten aufgrund der durch den Konflikt mit dem Iran verursachten Produktionsausfälle ihre Fördermengen nicht tatsächlich erhöhen können.
Seit Ende Februar hat der Krieg den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus, einer strategisch wichtigen Passage für den globalen Ölhandel, massiv beeinträchtigt. Diese Situation hat die Exporte mehrerer wichtiger OPEC+-Mitglieder, darunter Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Irak, erheblich reduziert. Diese Länder verfügten bis dato als einzige über zusätzliche Produktionskapazitäten.
Darüber hinaus sehen sich andere Mitglieder der Gruppe, wie beispielsweise Russland, mit strukturellen Hindernissen konfrontiert. Westliche Sanktionen sowie die im Ukraine-Konflikt entstandenen Schäden an ihrer Infrastruktur schränken ihre Möglichkeiten zur Produktionssteigerung ein. Auch in der Golfregion wurden Ölanlagen durch Raketen- und Drohnenangriffe erheblich beschädigt, sodass die Reparaturen mehrere Monate dauern könnten, bevor der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann.
Obwohl der Iran erklärt hat, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus sei für bestimmte Länder wie den Irak weiterhin erlaubt, deuten maritime Daten darauf hin, dass diese Route aufgrund der hohen Risiken derzeit nur von wenigen Schiffen genutzt wird. Ein Tanker mit irakischem Rohöl wurde dennoch in dem Gebiet gesichtet, doch herrscht weiterhin Unsicherheit hinsichtlich der Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs in großem Umfang.
Diese Krise hat die wohl gravierendste Unterbrechung der Ölversorgung aller Zeiten verursacht, mit einem geschätzten Verlust von 12 bis 15 Millionen Barrel pro Tag, was bis zu 15 % des weltweiten Angebots entspricht. Vor diesem Hintergrund haben die Ölpreise ein Niveau erreicht, das seit vier Jahren nicht mehr verzeichnet wurde, und nähern sich der Marke von 120 US-Dollar pro Barrel. Prognosen zufolge könnten sie bei anhaltender Krise sogar 150 US-Dollar überschreiten.
Die von der OPEC+ angekündigte Produktionserhöhung hätte daher kurzfristig nur begrenzte Auswirkungen, signalisiert aber die Bereitschaft der Gruppe, die Produktion zu steigern, sobald die Bedingungen es zulassen, insbesondere bei einer Wiederöffnung der Straße von Hormus. Mehrere Analysten sind jedoch der Ansicht, dass diese Entscheidung symbolischen Charakter behält, solange in der Region logistische und sicherheitspolitische Probleme bestehen.
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