Wut der Bauern: Frankreich unter Druck, Bauern halten an ihrer Pattsituation fest
Wut der Bauern: Frankreich unter Druck, Bauern halten an ihrer Pattsituation fest

Die Anfang des Jahres begonnene Mobilisierung der Landwirtschaft zeigt keine Anzeichen einer Abschwächung. Am Mittwoch, dem 7. Januar, gingen die Aktionen trotz präfekturaler Verbote von Traktorkonvois in vielen Regionen landesweit weiter. Straßenblockaden, die Blockade strategischer Routen und die Abreise in die Hauptstadt prägten einen Protest, der von mehreren Seiten getragen wurde: Ablehnung des Freihandelsabkommens mit dem Mercosur, Kritik an der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union und Kritik am Umgang der Regierung mit der ansteckenden Hautkrankheit bei Nutztieren. Nach weiteren Beratungen in Matignon versprach Premierminister Sébastien Lecornu bis Freitag „konkrete“ Ankündigungen. Diese Aussicht wurde von der Koordinierungsstelle für den ländlichen Raum als unzureichend erachtet, die trotz der Reisebeschränkungen an ihrem Aufruf zu einer Großkundgebung in Paris am Donnerstag festhielt. Ihr Präsident, Bertrand VenteauEr erklärte, die Bauern beabsichtigten, die Hauptstadt „auf die eine oder andere Weise“ zu erreichen, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen.

Konvois in Richtung Paris, Straßen in den Regionen blockiert

Seit Wochenbeginn sind mehrere Konvois aus Südwestfrankreich und anderen Regionen nach Paris aufgebrochen. Landwirte aus Lot-et-Garonne, Dordogne, Gironde und Pyrénées-Atlantiques sind auf den Straßen unterwegs, teils nachts, um Kontrollpunkte zu umgehen. Andere parken ihre Maschinen in der Nähe von Hauptstraßen oder organisieren Staffelläufe, um zu verhindern, dass ihre Traktoren beschlagnahmt werden. In Drôme und Ardèche sind ebenfalls rund fünfzig Landwirte in die Hauptstadt gefahren, und auch aus Vienne, Deux-Sèvres, Alpes-Maritimes und Korsika wurden Abfahrten gemeldet. Die Belastung der lokalen Infrastruktur bleibt derweil hoch. In Okzitanien sind mehrere Hauptstraßen weiterhin gesperrt, insbesondere die A64 bei Carbonne, die N124 im Gers und die A75 in der Lozère. Sogar der Bahnverkehr zwischen Auch und L'Isle-Jourdain wurde unterbrochen, nachdem Hindernisse auf den Gleisen platziert worden waren. Im Département Gard besteht weiterhin ein Kontrollpunkt an der Autobahnausfahrt A54 bei Nîmes, wo ausländische Lkw in der Nähe großer Einzelhandelsverteilzentren kontrolliert werden. In Montpellier ist ein Massenmarsch zum Sitz des Départementrats geplant.

In der Region Auvergne-Rhône-Alpes nehmen die Blockaden ebenfalls zu.

Südlich von Lyon ist die M7 bei Pierre-Bénite blockiert, während in Isère weiterhin Straßenblockaden in der Nähe der A51 und an der Grenze zu Ain bestehen. In der Drôme konzentrieren sich die Proteste nun um Tain-l'Hermitage. Weiter nördlich, in Burgund, bleiben die Mautstellen Beaune Sud und Til-Châtel geschlossen, was die geografische Ausdehnung der Bewegung verdeutlicht. In Hauts-de-France werden mehrere hundert Landwirte im Zentrum von Amiens erwartet, während in der Normandie einige Blockaden aufgehoben wurden, um Delegationen die Reise nach Paris zu ermöglichen. In Nouvelle-Aquitaine und Grand Est wurden verzögerte Aktionen für die kommenden Tage angekündigt, die oft bewusst diskret gehalten werden, um den Überraschungseffekt zu wahren. Diese allmähliche Verschärfung der Bewegung spiegelt einen deutlichen Vertrauensverlust in die institutionellen Reaktionen wider. Für viele Landwirte müssen die erwarteten Ankündigungen der Regierung über bloße Versprechungen hinausgehen und die strukturellen Ursachen der Krise angehen. Andernfalls bleibt die Aussicht auf eine Pattsituation oder gar eine Eskalation des Konflikts sowohl in ländlichen Gebieten als auch am Rande der Großstädte sehr real.