Premierminister Sébastien Lecornu verschärft seinen Kurs im Vorfeld der Haushaltsvorbereitungen für 2027. In einem an alle Regierungsmitglieder gerichteten Schreiben fordert er die Minister auf, die von ihren Ministerien gestellten Forderungen gründlich zu prüfen, die er angesichts der angespannten Finanzlage für überzogen hält. Das Schreiben, das von der Zeitung „Les Échos“ veröffentlicht wurde, erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Regierung einen Haushalt ohne Steuererhöhungen aufstellen und gleichzeitig das Haushaltsdefizit weiter reduzieren will.
Laut Angaben des Premierministeramtes haben die in den letzten Wochen abgehaltenen Haushaltskonferenzen einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf von über 30 Milliarden Euro aufgezeigt, wovon fast 24 Milliarden Euro für neue Maßnahmen vorgesehen sind. Die Vorschläge verschiedener Ministerien sehen außerdem die Schaffung von über 23.000 Stellen bereits ab 2027 und fast 40.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst im gesamten Zeitraum 2027–2029 vor. Der Premierminister hält diese Zahlen für unvereinbar mit dem Ziel der Sanierung der öffentlichen Finanzen.
Schiedsverfahren unter erheblichen finanziellen Zwängen
In seinem Schreiben kritisiert Sébastien Lecornu die Ministerien für ihre unzureichend priorisierten und realitätsfernen Anträge. Er fordert die Minister auf, die Kontrolle über die Haushaltsentscheidungen zurückzugewinnen, um klare Prioritäten sowie Einsparmöglichkeiten, Umstrukturierungen und Produktivitätssteigerungen zu identifizieren. Der Premierminister betont, dass die Kontrolle der öffentlichen Ausgaben angesichts geopolitischer Spannungen, steigender Verteidigungsausgaben und der europäischen Konjunkturabschwächung nun eine Frage der nationalen Souveränität sei.
Nun beginnen dreiwöchige Gespräche zwischen den einzelnen Ministerien und dem Minister für öffentliche Angelegenheiten und Finanzen, David Amiel. Ziel ist es, Einsparungen in Milliardenhöhe zu identifizieren, bevor das Büro des Premierministers die endgültigen Entscheidungen trifft. Die Regierung ist bestrebt, mehrere kostspielige Prioritäten in Einklang zu bringen, darunter die Erhöhung der Verteidigungsausgaben, Investitionen in die Energiewende sowie den steigenden Bedarf an Sicherheit und Gesundheitsversorgung, und gleichzeitig das Haushaltsdefizit unter Kontrolle zu halten.
Die Regierung plant, die Grundzüge des Haushaltsplans für 2027 Mitte Juli vorzulegen. Zuvor, Ende Juni, soll ein Krisenausschuss für öffentliche Finanzen tagen. Die Wirtschaftsprognosen bleiben unsicher, da der Krieg im Nahen Osten die Unsicherheit hinsichtlich der Energiepreise und des globalen Wachstums verstärkt. Die französische Zentralbank wird ihre Prognosen voraussichtlich bald aktualisieren, während die Regierung weiterhin an ihrem Ziel festhält, das Haushaltsdefizit nach dem erwarteten Wert von 5 % des BIP im Jahr 2026 schrittweise zu reduzieren.
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