Deutschland wolle konstruktiv an Vorschlägen zur Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte innerhalb der Europäischen Union mitarbeiten, sagte Finanzminister Lars Klingbeil am Freitag bei einem Treffen mit seinen europäischen Amtskollegen in Kopenhagen.
„Alles muss sorgfältig abgewogen werden“, sagte Klingbeil und fügte hinzu, Berlin wolle die Gespräche eher unterstützen als blockieren. Seine Äußerungen spiegeln einen veränderten Tonfall Deutschlands wider, das aufgrund rechtlicher Risiken lange Zeit zögerte, bestimmte Optionen zu verfolgen.
Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 hat die EU russische Vermögenswerte in Höhe von Hunderten Milliarden Euro eingefroren. Bisher wurden lediglich die Zinsen dieser Gelder zur Finanzierung der Hilfen für Kiew verwendet. Die vollständige Beschlagnahme der Vermögenswerte bleibt für mehrere Mitgliedstaaten aufgrund der rechtlichen und finanziellen Auswirkungen eine rote Linie.
Die Debatte nimmt neue Dimensionen an, da Unsicherheit über die Nachhaltigkeit der amerikanischen Unterstützung für die Ukraine unter Präsident Donald TrumpBrüssel versucht daher, mehr eigene Ressourcen zu mobilisieren, um die weitere Unterstützung Kiews zu gewährleisten.
Berlin sei zwar nun offen für „innovative Lösungen“, betonte Klingbeil jedoch, dass das Völkerrecht strikt eingehalten werden müsse, um spätere rechtliche oder diplomatische Konflikte zu vermeiden. Dieser Ansatz verdeutlicht, wie heikel die Balance zwischen politischer Effektivität und Rechtssicherheit ist, die die EU zu wahren versucht.