Shein und Temu – Frankreich drängt Brüssel, die Waffe der Delistung von @HEUTE zu schwingen
Shein und Temu – Frankreich drängt Brüssel, die Waffe der Delistung von @HEUTE zu schwingen

Paris erhebt seine Stimme gegen chinesische Billig-E-Commerce-Giganten. Handelsministerin Véronique Louwagie forderte am Dienstag in einem Brief an EU-Kommissar Michael McGrath eine Verschärfung des Digital Services Act (DSA). Ziel: Die Europäische Kommission soll Plattformen wie Shein und Temu, die wiederholt gegen Sicherheits- und Verbraucherschutzvorschriften verstoßen, schnell aus den Suchergebnissen entfernen können. Konkret bedeutet dies, sie aus den Suchmaschinen zu entfernen, ohne jahrelange Gerichtsverfahren abwarten zu müssen. Dieser Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Brüssel bereits gegen AliExpress und Temu ermittelt, die verdächtigt werden, nicht konforme Produkte zu vermarkten, und gegen Shein ein koordiniertes Verfahren der Mitgliedstaaten eingeleitet hat. Die französischen Behörden betonen die Dringlichkeit des Handelns und weisen sowohl auf die Gefahr fehlerhafter Produkte als auch auf den als unfair empfundenen Wettbewerb für europäische Unternehmen hin.

Ein sensibler politischer und wirtschaftlicher Hebel

Die Idee ist einfach: Die Definition der „systemischen Risiken“ im DSA soll erweitert werden. Diese Risiken, die derzeit mit der Gefährlichkeit von Produkten oder Online-Sicherheitsverletzungen verbunden sind, würden nun auch wiederholte Verstöße gegen europäische Vorschriften umfassen. Wird dieser Verstoß festgestellt, könnte die Kommission über die Delistung entscheiden und so das derzeitige, als zu umständlich erachtete Verfahren umgehen. Doch der Ansatz bleibt brisant. Die betroffenen Plattformen ziehen Millionen europäischer Verbraucher an, die auf der Suche nach niedrigen Preisen sind. Sie durch die Reduzierung ihrer Online-Präsenz finanziell zu belasten, wäre politisch heikel, da die Kaufkraft nach wie vor ein zentrales Thema ist. Bercy weist darauf hin, dass einige Länder – die Niederlande, Belgien, Deutschland und Portugal – diese harte Linie teilen, der Regulierungskampf jedoch langwierig werden dürfte.

Der bisherige Wunsch und nationale Grenzen

Warum ergreift Frankreich nicht allein die Initiative? Die Regierung ging 2021 hart gegen Wish vor, das nach Inspektionen der französischen Betrugsbekämpfungsbehörde von der Suchmaschine gestrichen wurde. Doch der Vergleich stößt an seine Grenzen. Temu ist kein Einzelhändler im eigentlichen Sinne, und Shein tut sich schwer, den Auflagen zur Einhaltung der Vorschriften nachzukommen. Diese rechtlichen Feinheiten machen jedes einseitige Vorgehen riskant. Daher der Wunsch, diese Macht direkt an Brüssel zu delegieren. Ein Signal, das die Regulierung des digitalen Handels in Europa harmonisieren und den chinesischen Giganten eine deutliche Warnung senden würde. Doch der Weg bleibt voller Fallstricke: Überarbeitung des DSA, Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten, Widerstand von Plattformen und politische Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Konsumverhalten der Bevölkerung. Es gibt also keine Garantie dafür, dass Shein und Temu jemals aus den Suchmaschinen verschwinden werden, aber Frankreich hat den Stein für einen europäischen Showdown ins Rollen gebracht.