Der serbische Präsident Aleksandar Vucic sagte am Dienstag, sein Land stehe weiterhin uneingeschränkt zum Beitrittsprozess zur Europäischen Union, trotz der diplomatischen Spannungen, die durch seinen jüngsten Besuch in Moskau, wo er Wladimir Putin traf, ausgelöst wurden. Auf einer Pressekonferenz in Belgrad, an der auch EU-Ratspräsident Antonio Costa teilnahm, forderte Vucic eine Beschleunigung der Beitrittsverhandlungen und die Eröffnung neuer Kapitel.
Das serbische Staatsoberhaupt nahm am 8. und 9. Mai an den Gedenkfeiern zum sowjetischen Sieg über Nazi-Deutschland teil, die in mehreren europäischen Hauptstädten inzwischen als politisches Symbol der Unterstützung für Moskau gelten. Er traf sich auch mit dem chinesischen Präsidenten. Xi Jinpingund verstärkt damit den Eindruck diplomatischer Doppelzüngigkeit, den ihm viele europäische Beamte vorwerfen.
„Die Atmosphäre in der Europäischen Union ist nicht gut und das ist mir aufgrund dieser Reise nach Moskau bewusst“, gab Vucic zu. „Ich bin jedoch überzeugt, dass Europa die erzielten Fortschritte auf der Grundlage der erzielten Leistungen anerkennen wird.“ Er bekräftigte, dass die EU-Mitgliedschaft weiterhin Serbiens „strategische Priorität“ sei.
Serbien pflegt eine enge historische Beziehung zu Russland, insbesondere aufgrund der kulturellen und religiösen Bindungen sowie der gemeinsamen Haltung in der Kosovo-Frage, die Moskau nicht als unabhängigen Staat anerkennt. Russland bleibt für Belgrad zudem ein wichtiger Energiepartner, und zwar über die Unternehmen Gazprom und Gazpromneft, die Eigentümer des staatlichen Ölkonzerns NIS sind.
Konkrete Fortschritte in den Verhandlungen macht die Europäische Union allerdings von einer Reihe struktureller Reformen abhängig. Von Serbien wird erwartet, dass es sich mit Themen wie der Unabhängigkeit der Justiz, der Freiheit der Medien, der Transparenz bei Wahlen, der Bekämpfung der Korruption und der Normalisierung der Beziehungen zum Kosovo befasst. Die Ausrichtung der serbischen Außenpolitik auf die des Blocks, insbesondere die Verhängung von Sanktionen gegen Russland, bleibt ein großer Streitpunkt.
Antonio Costa erinnerte daran, dass eines der Grundprinzipien der EU-Außenpolitik die entschiedene Verurteilung der russischen Invasion in der Ukraine sei. „Die Unterstützung der Ukraine für einen gerechten und dauerhaften Frieden ist von entscheidender Bedeutung“, betonte er.
Serbien wurde zwar wie mehreren seiner Nachbarn im Westbalkan – Montenegro, Albanien, Nordmazedonien und Bosnien – der Status eines EU-Kandidaten zuerkannt, doch sein Fortschritt auf dem Weg zur Mitgliedschaft wird weiterhin durch eine als ambivalent geltende Außenpolitik und anhaltende Defizite in der Rechtsstaatlichkeit behindert.
Derzeit versucht Belgrad, ein Gleichgewicht zwischen seinen europäischen Verpflichtungen und seinen traditionellen Beziehungen zu Moskau und Peking zu wahren. Doch angesichts der verschärften Forderungen der EU im aktuellen geopolitischen Kontext könnte diese Position für Präsident Vucic zunehmend unhaltbar werden.