POLITISCH Frankreich

Europa steht vor dem Sturm: Frankreich verstärkt seine Reaktion auf den Islamismus

Europa steht vor dem Sturm: Frankreich verstärkt seine Reaktion auf den Islamismus
Europa steht vor dem Sturm: Frankreich verstärkt seine Reaktion auf den Islamismus

Emmanuel Macron sandte am 7. Juli 2025 ein starkes politisches Signal. Vom Élysée-Palast aus verkündete er die Ausweitung der Sanktionen gegen die Muslimbruderschaft, begleitet von neuen Maßnahmen zur Einfrierung ihrer Finanzierung und Spenden. Diese Entscheidung fiel im Anschluss an die zweite Sitzung des Verteidigungs- und Nationalen Sicherheitsrates, die seit Mai stattgefunden hatte.

Der Präsident forderte, dass bis zum Ende des Sommers ein Gesetzentwurf vorliegen müsse, der bis zum Jahresende in Kraft treten könne. Im Herbst plant er zudem ein Treffen mit Vertretern des Forums für den Islam in Frankreich (Forif).

Zu den neuen Bestimmungen gehört eine Ausweitung der administrativen Auflösungsverfahren, die bisher nur für juristische Personen galten und nun auch für Stiftungsfonds gelten könnten. Ein verbindlicher Mechanismus ermöglicht es den Gerichten, einen Liquidator für die Abwicklung aufgelöster Strukturen zu ernennen. Das Staatsoberhaupt will zudem die administrativen Möglichkeiten zur Bekämpfung der Verbreitung illegaler Inhalte stärken, indem es Verjährungsfristen verlängert und die Sanktionen gegen Hassverherrlichung und Diskriminierung verschärft.

Ein Bericht, der vor lokalen Fortschritten warnt

Diese Ankündigungen basieren auf einem im Mai von zwei hochrangigen Beamten vorgelegten Bericht. Sie beschreiben eine robuste Organisation, deren Einfluss, getrieben vom politischen Islam, jedoch vor allem auf lokaler Ebene aufbaut. Ihrer Ansicht nach schwächt diese Dynamik auch ohne direkten Gewalteinsatz das Gefüge der Verbände, der republikanischen Institutionen und letztlich die nationale Einheit.

Der Text warnt zudem davor, dass diese Strategie darauf abzielt, bestimmte lokale oder nationale Regeln, insbesondere in Bezug auf Säkularismus und Geschlechtergleichstellung, schrittweise zu ändern. Die Autoren empfehlen intensive Arbeit vor Ort, begleitet von aktiver Aufklärung der Öffentlichkeit, um diesem Einfluss durch einen erneuerten säkularen Diskurs und konkrete Maßnahmen gegenüber Muslimen entgegenzuwirken.

Von den rund 2 in Frankreich registrierten muslimischen Gotteshäusern sollen 800 der Union der Islamischen Organisationen Frankreichs nahestehen, die der Muslimbruderschaft angeschlossen ist, also etwa 139 %.

Scharfe politische Reaktionen

Innenminister Bruno Retailleau äußerte seine „große Besorgnis“ über den Einfluss der Muslimbruderschaft, die er als direkte Bedrohung für die Republik betrachtet. Er spricht von einer „schleichenden Islamisierung“, die über Sport-, Kultur- und Sozialverbände stattfinde. Ziel sei es, die französische Gesellschaft in Richtung Scharia zu drängen.

Jordan Bardella , Präsident des Nationalen Rassemblement National, fordert ein vollständiges Verbot der Muslimbruderschaft und deren Einstufung als terroristische Organisation und verweist dabei auf das Beispiel mehrerer arabischer und Golfstaaten.

Eine Bedrohung, die über Frankreich hinausgeht

Der Bericht betont, dass diese Strategie nicht an den Grenzen Frankreichs haltmacht. In Europa setzt die Muslimbruderschaft Berichten zufolge auf Diskretion und Doppelzüngigkeit, um voranzukommen. Als besonders wichtiger Standort wird insbesondere die Schweiz genannt, in der es zahlreiche Zentren und Verbände gibt, die mit der Bewegung verbunden sind.

Bereits 2021 berichtete die Tageszeitung Zürcher Unterländer über die Debatten im Schweizer Parlament über ein Projekt, das darauf abzielte, den „politischen Islam“ zu kriminalisieren, Vereinigungen, die behaupten, ihn zu vertreten, zu verbieten und ihre Moscheen zu schließen.

Im Dezember 2020 widersprach die Abgeordnete Marianne Binder (PDC) der Regierung mit der Begründung, die Muslimbruderschaft sei die „ideologische Matrix“ von Gruppen wie Daesh, den Taliban, Boko Haram und Al-Qaida.

Laut Le Temps leben einflussreiche Persönlichkeiten der Bewegung in der Schweiz, darunter Youssef Nada, ein italienisch-ägyptischer Geschäftsmann, und Hassan Abou Youssef, ein Unternehmer aus Zürich. Polizeiliche Ermittlungen haben finanzielle Verbindungen zu Öl- und Gasunternehmen aufgedeckt, die von Hazem Nada, Youssef Nadas Sohn, und Youssef Hemet geleitet werden.

Berichten zufolge zielt die Strategie darauf ab, Moscheen und Wohltätigkeitsorganisationen zu kontrollieren, um sich als „moderat“ und integriert darzustellen und gleichzeitig ihre Macht über die Gemeinden zu festigen. Auf dem Höhepunkt der Krise waren rund 150 Moscheen betroffen; 90 wurden seitdem geschlossen.

Die Rolle des Schweizer „Neutralismus“

Mehrere Analysten sind der Ansicht, dass dieses Establishment vom neutralen Status der Schweiz profitiert, die als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen gilt.

Wie der Beobachter Imad Hijab betont, ist Genf zu einem strategischen Knotenpunkt in der Nähe von Frankreich, Deutschland und Italien geworden. Diese Lage und das Image der Stadt als internationale Stadt ermöglichen es den Netzwerken der Bruderschaft, sich ungehindert zu bewegen und in bestimmten Räumen wie dem Presseclub politische Aktivitäten mit Aktionen zu verbinden, die als humanitär oder menschenrechtsbezogen dargestellt werden.

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