Das thailändische Verfassungsgericht verkündete am Freitag die Amtsenthebung von Premierministerin Paetongtarn Shinawatra. Sie wurde beschuldigt, nach nur einem Jahr an der Macht gegen ethische Regeln verstoßen zu haben. Diese Entscheidung schwächt die politische Dynastie Shinawatras weiter, die seit zwei Jahrzehnten dominiert, aber regelmäßig mit dem Militär und der Justiz aneinandergerät.
Mit 37 Jahren war Paetongtarn die jüngste Premierministerin in der Geschichte des Landes. Sie ist nun die sechste Premierministerin aus der Shinawatra-Familie oder mit deren Unterstützung, die abgesetzt wurde. Damit bestätigt sich der seit langem andauernde Machtkampf zwischen dem Milliardärsclan und Thailands traditioneller Elite.
Das Gericht warf der Regierungschefin vor, in einem durchgesickerten Telefonat im Juni „private Interessen über die des Landes“ gestellt zu haben. In dem Gespräch schien sie dem ehemaligen kambodschanischen Premierminister Hun Sen nachzugeben, als die beiden Länder kurz vor einem Grenzkonflikt standen. Wenige Wochen später brachen die Kämpfe aus, die fünf Tage dauerten.
Dieses Amtsenthebungsverfahren läutet eine neue Phase politischer Unsicherheit ein. Das Parlament muss nun aus fünf möglichen Kandidaten einen Nachfolger wählen. Doch die von Paetongtarn geführte Pheu-Thai-Partei geht durch das Urteil geschwächt hervor und könnte Schwierigkeiten haben, ihre ohnehin fragile Koalition aufrechtzuerhalten, die auf einer hauchdünnen Mehrheit beruht.
Diese neue Episode verdeutlicht die chronische Instabilität, die Thailand seit fast zwanzig Jahren erschüttert. Die Familie Shinawatra erlebt dort abwechselnd Wahlerfolge und Entlassungen aus dem Justiz- oder Militärdienst, vor dem Hintergrund erbitterter Rivalitäten zwischen politischen Fraktionen und der Elite des Königreichs.