Die Trennung an der FIFA-Spitze ist nun offiziell. Kevin Lamour, der operative Geschäftsführer des Weltverbandes und damit die Nummer drei im Verband, ist nach öffentlicher Kritik an Gianni Infantino zurückgetreten. Der Franzose hatte Infantinos Plan, einige der kommerziellen Aktivitäten rund um die Weltmeisterschaft für private Investoren zu öffnen, scharf verurteilt. Die FIFA bestätigte, dass die Zusammenarbeit mit Kevin Lamour am Sonntag beendet wurde. Der Verband dankte dem Franzosen lediglich für seine zweijährige Tätigkeit, ohne die genauen Umstände seines Ausscheidens öffentlich zu machen. Intern deutete Generalsekretär Mattias Grafström an, dass sich beide Parteien nach Gesprächen in der jüngsten Vergangenheit getrennt hätten.
Kevin Lamour hatte Gianni Infantino direkt herausgefordert.
Kevin Lamours Lage hatte sich seit dem 31. Juli deutlich verschärft. Während Gianni Infantino eine Umstrukturierung der kommerziellen Aktivitäten der FIFA befürwortete, distanzierte sich der Franzose öffentlich von seinem Präsidenten. Der Plan sah die Gründung von FIFA Forward Enterprise vor, einer Struktur zur Konsolidierung einiger kommerzieller Aktivitäten im Zusammenhang mit den wichtigsten FIFA-Wettbewerben. Konkret war vorgesehen, rund 20 % dieses Unternehmens an private Investoren zu verkaufen – eine Transaktion, die das Unternehmen mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewerten könnte.
Kevin Lamour stellte daraufhin nicht nur das Projekt selbst, sondern auch dessen Entwicklung infrage. „Das ist nicht das Projekt der FIFA. Es ist das Projekt einer einzelnen Person “, erklärte er und wandte sich damit direkt an Gianni Infantino. Der französische Funktionär prangerte zudem mangelnde Transparenz an und warf der FIFA-Führung vor, die Mitarbeiter hinsichtlich der Projektvorbereitung in die Irre geführt zu haben.
„Wenn das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann soll es so sein.“
Kevin Lamour wusste, dass diese Haltung zu seinem Ausscheiden führen könnte. In seiner besonders scharfen Stellungnahme erklärte er, dass er lieber seine Überzeugungen verteidigen würde, als seinen Job zu behalten. „Wenn das bedeutet, dass ich meinen Job verliere, dann ist es eben so“, warnte er. Knapp drei Wochen später wurde die Trennung offiziell. Die FIFA gab jedoch nicht offiziell bekannt, dass die Kritik an Gianni Infantino der Grund für dessen Ausscheiden war. Sie bestätigte lediglich das Ende der Zusammenarbeit und erklärte, sich nicht weiter dazu zu äußern.
Das umstrittene Projekt wurde schließlich aufgegeben.
Der Konflikt betraf ein besonders heikles Thema. Gianni Infantino wollte privates Kapital für eine neue Unternehmensstruktur gewinnen, die auch Einnahmen aus internationalen Wettbewerben umfassen sollte. Das Projekt stieß innerhalb und außerhalb der FIFA auf heftigen Widerstand. Mehrere Schlüsselfiguren des Weltfußballs stellten das Prinzip der Öffnung des Unternehmenskapitals für private Investoren sowie die Vorbereitungsbedingungen in Frage. Angesichts dieses Widerstands gab Gianni Infantino das Projekt schließlich auf. Kevin Lamour war nicht der einzige hochrangige Funktionär, der sich dagegen aussprach. Auch Carlos Cordeiro, Berater von Gianni Infantino und ehemaliger Präsident des US-amerikanischen Fußballverbands, trat nach Kritik an dieser Strategie zurück.
Im Jahr 2024 wird ein Franzose zur FIFA kommen.
Kevin Lamour bekleidete seit November 2024 die Position des Chief Operating Officer (COO) der FIFA. In dieser Funktion stand er in der operativen Hierarchie des Verbandes direkt hinter Gianni Infantino und Generalsekretär Mattias Grafström. Sein Verantwortungsbereich war besonders breit gefächert. Er war zuständig für die Beziehungen zu den Nationalverbänden, Finanzen, Rechtsangelegenheiten, Personalwesen und diverse administrative Aufgaben der FIFA. Vor seinem Wechsel nach Zürich verbrachte Kevin Lamour einen Großteil seiner Karriere bei der UEFA, der er 2007 beigetreten war. Dort war er unter anderem als stellvertretender Generalsekretär tätig und arbeitete mit mehreren Schlüsselfiguren des europäischen Fußballs zusammen.
Ein dramatischer Umbruch an der Spitze der FIFA
Sein Ausscheiden markiert somit das Ende einer der Schlüsselfiguren der FIFA-Administration, weniger als zwei Jahre nach seinem Amtsantritt. Besonders bemerkenswert ist, dass Kevin Lamour die Organisation nur wenige Wochen nach seinen öffentlichen Kritiken an Gianni Infantinos Führungsstil und der Vorbereitung eines seiner wichtigsten Wirtschaftsprojekte verlässt. Der Franzose selbst hatte angekündigt, für diese Haltung seinen Job zu riskieren. Am 17. August 2026 endete seine Zusammenarbeit mit der FIFA offiziell.