Die führende Gewerkschaft des Kultursektors, die CGT Spectacle, richtet einen klaren Appell an die Künstler, Techniker, Verwaltungsmitarbeiter und das Empfangspersonal des Avignon-Festivals: Weigert euch, aufzutreten, sollte Kulturministerin Rachida Dati in der Stadt der Päpste auftreten.
In einer Pressemitteilung verurteilt die Gewerkschaft eine Regierungspolitik, die als destruktiv für den Kultursektor angesehen wird, und fordert den Rücktritt des Ministers, der beschuldigt wird, Haushaltskürzungen mit Konsequenzen durchgeführt zu haben "katastrophal" für Live-Auftritte.
Den Angaben des CGT Spectacle zufolge wurde für die gesamte Dauer des Festivals vom 7. bis 26. Juli ein präventiver Streik angekündigt.
Ein Minister, der an mehreren Fronten geschwächt ist
Der Appell der Gewerkschaft erfolgt in einem für Rachida Dati angespannten politischen Klima. Anfang Mai erklärte die Ministerin gegenüber France Inter, es habe in ihrem Ministerium keine Budgetkürzungen gegeben. Branchenexperten widersprachen dieser Aussage jedoch entschieden und prangerten Kürzungen der Mittel für Kultureinrichtungen, nationale Theaterzentren, registrierte Theater und allgemein eine Verschärfung der prekären Lage im Bereich der darstellenden Künste an.
Das Umfeld von Rachida Dati reagierte mit der Verurteilung eines "politisches Traktat" voller Ungenauigkeiten, was dafür sorgt, dass die Kritik der Gewerkschaft eher eine Frage politischer Feindseligkeit ist als eine objektive Analyse der aktuellen Kulturpolitik.
Die Ministerin wird zudem durch anhaltende rechtliche Schwierigkeiten geschwächt. Am 28. Juni wies die Untersuchungskammer des Pariser Berufungsgerichts ihre Berufung gegen die Finanzstaatsanwaltschaft ab. Diese fordert, sie wegen mutmaßlicher Korruption im Zusammenhang mit Carlos Ghosn, dem ehemaligen CEO von Renault-Nissan, vor ein Strafgericht zu stellen. Die endgültige Entscheidung darüber liegt nun bei den Ermittlungsrichtern.
Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks: Ein weiteres politisches Versagen
Ein weiteres brisantes Thema: Seit Monaten treibt Rachida Dati ein umstrittenes Projekt voran, die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (France Télévisions, Radio France, INA, France Médias Monde) in einer einzigen Holding zusammenzufassen. Dieser von zahlreichen Arbeitnehmern und Gewerkschaften angefochtene Gesetzesentwurf wurde am 1. Juli von der Nationalversammlung abgelehnt, nachdem ein von der Linken und dem Rassemblement National gemeinsam abgestimmter vorläufiger Ablehnungsantrag angenommen worden war.
Trotz dieses Rückschlags bekräftigte der Minister, dass die Reform „wird nicht aufgegeben“, und erklärte während einer Reise nach Suresnes (Hauts-de-Seine), dass der Gesetzentwurf im Senatsausschuss angenommen worden sei und dass daher der Gesetzgebungsprozess fortgesetzt werde.