Die Nacht versank in Garges-lès-Gonesse in Gewalt, nur Stunden nachdem ein Teenager behauptet hatte, von Polizisten geschlagen worden zu sein. Ungefähr dreißig Personen konfrontierten die Polizei mit Feuerwerkskörpern. Die explosive Atmosphäre gipfelte im spektakulären Brand eines Noctilien-Busses mit etwa dreißig Passagieren. Die ersten Zusammenstöße brachen gegen 1:30 Uhr auf der Avenue Frédéric Joliot-Curie aus, wo eine Gruppe von Personen eine improvisierte Barrikade errichtete. Die Polizei wurde unter Mörserfeuer gesetzt und reagierte mit ihren Selbstverteidigungs-Ballwerfern. Drei Personen wurden in dem Chaos festgenommen. Aber die Spannungen endeten nicht dort. Gegen 3:20 Uhr spielten sich auf der Avenue du Général-de-Gaulle weitaus verstörendere Szenen ab. Ein Nachtbus der Linie N43 musste anhalten, weil er von brennenden Mülltonnen blockiert war. Die Angreifer zwangen Fahrer und Passagiere auszusteigen, bevor sie das Fahrzeug in Brand setzten. Der Bus brannte bis auf die Grundmauern nieder.
Ein 17-jähriger Junge im Herzen der Wut
Dieser Gewaltausbruch folgte auf einen Vorfall, der für Aufsehen gesorgt hatte. Am Montagabend gegen 22:30 Uhr gab ein 17-jähriger Junge an, in einem Stadtviertel von vier Polizisten geschlagen worden zu sein. Der Vorfall, der von führenden Politikern gemeldet wurde, löste umgehend Empörung aus. Der Bürgermeister von Garges-lès-Gonesse, Benoît Jimenez, drückte dem mutmaßlichen Opfer und dessen Familie seine Unterstützung aus und begrüßte die Einleitung gerichtlicher und verwaltungsrechtlicher Ermittlungen. Ihm zufolge werde die Gemeinde den Ermittlern alle notwendigen Mittel zur Verfügung stellen, um die Ermittlungen voranzutreiben. Auch der Parlamentsabgeordnete Carlos Martens Bilongo hat sich des Falls angenommen. Nach einem Treffen mit dem Teenager und seiner Familie erklärte er, er glaube seiner Version der Ereignisse und sprach von einem brutalen Angriff ohne ersichtlichen Grund. Der junge Mann, ein Erstklässler der Romain Rolland High School, erstattete Anzeige bei seinen Eltern. Derzeit wird vermutet, dass vier Polizisten in diesen Fall verwickelt sind, der bereits Gegenstand eines Doppelermittlungsverfahrens ist. In einer Stadt, die noch immer von früheren Polizeigewalttaten gezeichnet ist, gewinnt der Fall besondere Bedeutung. Und die letzte Nacht hinterließ auf den Straßen von Garges-lès-Gonesse einen bleibenden Eindruck.