Die für Montagabend um 19 Uhr auf dem Place Vendôme vor dem Justizministerium in Paris geplante Kundgebung zum Gedenken an die elfjährige Lyhanna wurde von der Pariser Polizeipräfektur verboten. Die Demonstration sollte im Herzen des Justizviertels stattfinden, wo mehrere Gruppen die Mängel bei der Bearbeitung der Anzeigen gegen den Hauptverdächtigen anprangern wollten.
Ein verlegter Sammelpunkt
Das Verbot setzte den Pariser Gedenkveranstaltungen nicht ein Ende. Schließlich wurde eine statische Kundgebung auf dem Place Louis-Lépine auf der Île de la Cité vor dem ehemaligen Gerichtsgebäude genehmigt. Der Aufruf blieb derselbe: der Schülerin zu gedenken und Aufklärung über die Versäumnisse zu fordern, die ihrem Tod vorausgingen.
Ein Kind verschwand nach dem Verlassen der Schule.
Lyhanna verschwand am Freitag, dem 29. Mai, in Fleurance, Gers. Die Elfjährige wurde zuletzt gegen 15 Uhr gesehen, nachdem sie die Schule verlassen hatte und in das Auto eines ihr bekannten Mannes, des Vaters einer ihrer Freundinnen, gestiegen war. Dieser 41-Jährige wurde festgenommen und wegen Entführung und Freiheitsberaubung angeklagt.
Die Leiche wurde in einem landwirtschaftlichen Silo gefunden.
Nach mehrtägiger Suche wurde Lyhannas Leiche am Donnerstag, dem 4. Juni, in einem verlassenen landwirtschaftlichen Silo in Gers, etwa fünfzehn Kilometer von Fleurance entfernt, gefunden. Die Identifizierung erfolgte durch einen DNA-Vergleich. Die genaue Todesursache konnte zunächst nicht festgestellt werden.
Die Ermittlungen wegen Mordes sind nun eröffnet.
Nach diesem Fund wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Entführung, Freiheitsberaubung und Mordes an einem Kind unter 15 Jahren eingeleitet. Der Hauptverdächtige befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Er bestreitet jegliche Beteiligung am Tod des Kindes und genießt die Unschuldsvermutung.
Frühere Beschwerden sind der Kern des Ärgers.
Der Fall hat landesweit für Entsetzen gesorgt, da gegen den Verdächtigen bereits mehrere Anzeigen wegen sexueller Gewalt gegen Minderjährige vorlagen. Eine im August 2025 erstattete Anzeige wegen Vergewaltigung einer Minderjährigen hatte vor Lyhannas Verschwinden nicht zu einer Vernehmung geführt.
Der Justizminister räumt ein Versagen ein
Gérald Darmanin räumte ein Versagen des Justizsystems ein. und entschuldigte sich bei Lyhannas Familie. Am Montag berief der Justizminister die Staatsanwälte ein und beauftragte sie mit der Überprüfung von Anzeigen gegen Kinder als Opfer; rund 70.000 Fälle sollen bis zum 14. Juli geprüft werden.
Fleurance steht bereits für Lyhanna
Am Sonntag versammelten sich in Fleurance rund 6.000 Menschen zu einem stillen Gedenkmarsch. Anwohner, Angehörige, Bürger und gewählte Vertreter marschierten schweigend, um dem Kind die letzte Ehre zu erweisen. Am Montagabend setzten sich die Proteste in Paris und vor zahlreichen Gerichtsgebäuden in ganz Frankreich fort.