Lyhannas weltliche Trauerfeier findet am Freitag, dem 12. Juni, um 14:30 Uhr in Fleurance, Gers, statt. Gleichzeitig nimmt der Fall eine neue juristische Wendung: Rosas Mutter, die Jérôme Barella der Vergewaltigung ihrer Tochter beschuldigt, leitet ein Gerichtsverfahren gegen den Staat, die Ermittler, die Richter und Gérald Darmanin ein.
Ein Kind, das in Fleurance begraben liegt
Die elfjährige Lyhanna wird am Freitag, dem 12. Juni, um 14:30 Uhr in Fleurance, dem Ort im Département Gers, wo sie am 29. Mai nach Schulschluss verschwand, beigesetzt. Ihre Eltern haben eine Todesanzeige veröffentlicht. Die Trauerfeier findet im engsten Familienkreis auf dem Friedhof des Ortes statt.
Die Leiche des Schulmädchens wurde am Donnerstag, dem 4. Juni, in einem verlassenen landwirtschaftlichen Silo gefunden. Die Identifizierung erfolgte durch einen DNA-Vergleich. Die Ermittlungen wurden auf Entführung, Freiheitsberaubung und Mord an einer Minderjährigen unter 15 Jahren umgestellt. Die genaue Todesursache konnte nach der ersten gerichtsmedizinischen Untersuchung noch nicht festgestellt werden.
Rosas Mutter verklagt den Staat
Rosas Mutter, geboren 2014, verkündet eine Klage gegen den Staat wegen grober Fahrlässigkeit. Am 22. August 2025 erstattete sie Anzeige gegen Jérôme Barella, den Hauptverdächtigen im Fall Lyhanna, wegen mutmaßlicher Vergewaltigungen ihrer Tochter zwischen September 2024 und Mai 2025. Rosa wurde fünf Tage später vernommen. Anschließend wurden forensische und psychologische Untersuchungen durchgeführt. Trotz dieser Beweise wurde Jérôme Barella in diesem Fall vor Lyhannas Verschwinden und ihrem Tod weder vernommen noch verhaftet oder inhaftiert. Die Akte wurde zwischen den Staatsanwaltschaften in Toulouse und Auch hin- und hergeschickt, bevor sie im Januar 2026 an die Gendarmerie in Lectoure übergeben wurde.
Ermittler, Richter, Darmanin: Mehrere Gerichtsverfahren angekündigt
Der Anwalt von Rosas Mutter, Pierre Debuisson, kündigte zwei rechtliche Schritte an: eine Zivilklage gegen den Staat wegen grober Fahrlässigkeit und ein Strafverfahren gegen die beteiligten Ermittler und Richter. Die Anklagepunkte lauten Gefährdung des Lebens anderer und unterlassene Hilfeleistung. Zudem wird beim Gerichtshof der Republik eine Beschwerde gegen Justizminister Gérald Darmanin eingereicht. Der Anwalt ist der Ansicht, dass die Verantwortung nicht auf eine abstrakte Institution abgewälzt werden kann und dass die Verantwortlichen für ihre Entscheidungen oder ihr Unterlassen zur Rechenschaft gezogen werden müssen.
Der Fall Rosa ist weiterhin ungelöst, ohne dass der Verdächtige befragt wurde.
In ihrer Aussage erinnerte sich Rosas Mutter daran, wiederholt Alarm geschlagen zu haben, nachdem Rosa Anzeige erstattet hatte. Sie gab an, jeden Montagmorgen angerufen zu haben, um sich nach dem Stand der Ermittlungen zu erkundigen. Ihr sei stets versichert worden, dass die Ermittlungen vorankämen. Ihr Hauptvorwurf ist einfach: Monatelang wurde der Verdächtige nicht mit den Anschuldigungen seiner Tochter konfrontiert. Gegen Jérôme Barella liegen derzeit mehrere Anzeigen wegen mutmaßlichen sexuellen Missbrauchs vor. Er gilt weiterhin als unschuldig.
Darmanin räumt ein Scheitern ein
Gérald Darmanin und Laurent Nuñez wurden am Dienstagmorgen vom Rechtsausschuss des Senats zum Fall Lyhanna befragt. Der Justizminister räumte Versäumnisse im Umgang mit dem Fall Rosa ein und erklärte, die im August 2025 eingereichte Anzeige hätte eine schnellere Reaktion nach sich ziehen müssen. Er wies die Staatsanwaltschaft zudem an, alle Anzeigen gegen Kinder – rund 70.000 Fälle – zu überprüfen. Eine Untersuchung wurde eingeleitet; der Bericht wird in den kommenden Tagen erwartet.
Matignon verspricht engere Fristen.
In Matignon berief Sébastien Lecornu die für den Kinderschutz zuständigen Minister ein: Inneres, Justiz, Gesundheit, Bildung und Gleichstellung. Verschiedene Maßnahmen standen zur Debatte: härtere Strafen für Serienvergewaltigung, Änderungen der Verjährungsfristen, bessere Information der Opfer während des Gerichtsverfahrens sowie die Pflicht zur Begründung von Verfahrenseinstellungen bei Sexualdelikten. Matignon präzisierte, dass Ermittlungen bei Straftaten gegen Kinder innerhalb von maximal drei Monaten abgeschlossen sein müssen. Die Regierung beabsichtigt außerdem, neue Maßnahmen in den bereits dem Ministerrat vorgelegten Gesetzentwurf zum Kinderschutz aufzunehmen und die Prüfung eines parteiübergreifenden Gesetzentwurfs zu geschlechtsspezifischer und sexueller Gewalt zu beschleunigen.
Eine rechtliche, politische und administrative Angelegenheit
Das Strafverfahren zum Tod von Lyhanna ist noch nicht abgeschlossen. Die Ermittlungen müssen weiterhin die genauen Umstände ihres Todes, den genauen Ablauf der Ereignisse und eine mögliche strafrechtliche Verantwortlichkeit klären. Parallel dazu muss die interne Untersuchung klären, warum frühere Beschwerden und Anzeigen nicht zu einem schnelleren Eingreifen geführt haben. Am Freitag wird Lyhanna in Fleurance beerdigt. Am Dienstag wurde der Staat bereits vorgeladen, um eine Erklärung abzugeben.