Die elfjährige Lyhanna wird seit Freitag in Fleurance, Gers, vermisst. Die Schülerin der Hubert-Reeves-Mittelschule verschwand gegen 15 Uhr, nachdem sie die Schule verlassen hatte. Ihre Familie alarmierte die Polizei am frühen Abend gegen 19 Uhr. Sofort wurden Suchmaßnahmen eingeleitet, um ihre Bewegungen zu rekonstruieren, Personen zu identifizieren, die sie nach der Schule möglicherweise gesehen hat, und die Umstände ihres Verschwindens zu klären. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Hinweise auf ein freiwilliges Verschwinden. Lyhanna ist noch nie zuvor weggelaufen. Auch ihre Familie schließt diese Möglichkeit aus.
Im Auto eines 41-jährigen Mannes gesehen
Die Ermittlungen nahmen eine entscheidende Wendung, nachdem ein Zeuge aussagte, Lyhanna nach Schulschluss in einem Auto gesehen zu haben. Aufnahmen einer Überwachungskamera aus Fleurance bestätigten die Anwesenheit des Mädchens um 15:05 Uhr im Fahrzeug.
Der Fahrer wurde identifiziert. Es handelt sich um einen 41-jährigen Mann aus der Region Gers. Er wird als Vater einer Freundin von Lyhanna beschrieben, die von ihrer Familie und ihren Freunden als ihre beste Freundin betrachtet wird.
Der Mann kannte das Kind. Laut Lyhannas Mutter hatte ihre Tochter bereits Zeit mit dieser Familie verbracht, insbesondere bei einer Übernachtung. Der Verdächtige soll auch regelmäßig in die Schule gekommen sein und dem Mädchen Snacks mitgebracht haben.
Eine als inkonsistent eingestufte Version
Der Mann wurde am Samstag festgenommen und in Gewahrsam genommen. Im Verhör gab er zu, Lyhanna mit seinem Auto abgeholt zu haben. Er behauptete, sie auf ihren Wunsch hin in der Nähe des Schwimmbads in Fleurance abgesetzt zu haben. Diese Version der Ereignisse überzeugte die Ermittler nicht. Seine Aussagen wurden als widersprüchlich, ungenau und inkonsistent eingestuft. Dies war einer der Gründe, warum die Staatsanwaltschaft ein Vorermittlungsverfahren wegen Entführung und Freiheitsberaubung einer Minderjährigen unter 15 Jahren einleitete. Die Untersuchungshaft des Verdächtigen wurde verlängert. Am Montag, dem 1. Juni, wurde der Fall an die Kriminalabteilung in Agen übergeben. Die bis dahin gesammelten Beweise wurden als ausreichend für die Einleitung eines Strafverfahrens erachtet.
Großangelegte Suchaktionen in der Gers-Region
Seit ihrer Vermisstenmeldung wird die Suche im Raum Fleurance ununterbrochen fortgesetzt. Polizeibeamte, Taucher, Spürhunde, Drohnen und Hubschrauber sind im Einsatz. Die Ermittlungen konzentrieren sich insbesondere auf die Gebiete, in denen der Verdächtige Lyhanna nach eigenen Angaben abgesetzt hat, sowie auf Gewässer, Teiche, Waldgebiete und die Außenbezirke der Stadt. Unter polizeilicher Aufsicht wurden zudem Suchtrupps von Bürgern organisiert. Mehrere hundert Einwohner haben sich freiwillig an der Suche beteiligt. Trotz dieser Bemühungen bleibt Lyhanna weiterhin vermisst.
Eine Familie in Qualen
Lyhannas Eltern leben in quälender Ungewissheit. Sie glauben nicht, dass sie weggelaufen ist. Sie beschreiben ihre Tochter als geselliges, aber auch vorsichtiges und leicht ängstliches Kind, wenn sie allein gelassen wird. Ihre Mutter erklärte, Lyhanna könnte in das Auto einer ihr bekannten und vertrauten Person gestiegen sein. Dieser Punkt ist zentral für die Ermittlungen: Das Mädchen wurde angeblich nicht mit einem Fremden, sondern mit einem ihr bekannten Mann gesehen. Lyhannas Vater ist überzeugt, dass seine Tochter nicht freiwillig weggelaufen ist.
Lyhannas Bericht
Lyhanna ist etwa 1,57 Meter groß. Sie hat braune Augen, langes, braunes Haar, das sie zurückgebunden trägt, und eine durchschnittliche Statur. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens trug sie ein schwarz-weiß gestreiftes Tanktop, schwarze Shorts und gelbe Socken mit dem Aufdruck „One Piece“. Außerdem trug sie unauffällige Ohrringe. Die Behörden bitten alle, die Informationen haben, sich an die Polizei zu wenden. Die Öffentlichkeit wird gebeten, nicht direkt einzugreifen.
Ein Fall, der nun strafrechtlich verfolgt wird
Der Fall wird nicht länger als einfaches, besorgniserregendes Vermisstenfall behandelt. Er wird nun wegen Entführung und Freiheitsberaubung einer Minderjährigen unter 15 Jahren untersucht – ein schweres Verbrechen. Die Dringlichkeit bleibt unverändert: Lyhanna muss gefunden werden. Die Ermittler versuchen, die Bewegungen des Verdächtigen minutengenau zu rekonstruieren, seine Aussagen zu überprüfen, verfügbares Videomaterial auszuwerten, gezielt Orte abzusuchen und alle relevanten Zeugenaussagen zu sammeln. Drei Tage nach ihrem Verschwinden ist die elfjährige Schülerin weiterhin vermisst. In Fleurance schreiten die Ermittlungen voran, die Suche wird fortgesetzt, und eine Familie wartet weiterhin auf die Rückkehr ihres Kindes.