Der ungarische Ministerpräsident Peter Magyar gab am Montag seine Absicht bekannt, die ehemalige Schachweltranglistenerste Judit Polgar als Präsidentschaftskandidatin aufzustellen. Ein Treffen zwischen den beiden war für denselben Tag geplant.
„Unser Land braucht Einheit, Frieden und einen Präsidenten, auf den alle Ungarn stolz sein können“, schrieb Peter Magyar am Montag, dem 20. Juli, auf Facebook. In diesem Zusammenhang kündigte er seine Absicht an, die 49-jährige Judit Polgar für das Amt des Präsidenten der Republik Ungarn zu nominieren.
Der Regierungschef, Viktor Orbáns im April 2026 gewählter Nachfolger, stellte klar, dass er sie fragen wolle, ob sie bereit sei, dieses Amt bis zur Verabschiedung einer neuen Verfassung zu bekleiden. Magyar hatte die Wiederherstellung der Rechtsstaatlichkeit und „wirksamer Gewaltenteilung“ zu einem zentralen Bestandteil ihres Programms gemacht, einschließlich einer Verfassungsrevision.
Die Ankündigung erfolgt drei Tage, nachdem Präsident Tamás Sulyok, ein enger Verbündeter des ehemaligen nationalistischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, am Samstag, dem 18. Juli, seinen Rücktritt angekündigt hatte.
Judit Polgar genießt in Ungarn außerordentliches Ansehen, weitgehend unabhängig von parteipolitischen Auseinandersetzungen. Als Schachgroßmeisterin belegte sie über ein Vierteljahrhundert lang den ersten Platz der Weltrangliste der Frauen und ist bis heute die einzige Frau, die in allen Kategorien unter den Top 10 der Weltrangliste vertreten war.
Aufgewachsen mit ihren Schwestern nach der von ihrem Vater entwickelten Erziehungsmethode zur Ausbildung von Spitzenschachspielern, sprach sie oft über die sexistischen Vorurteile, denen sie in der Schachwelt begegnete. Zu ihren bemerkenswertesten Siegen zählt der Sieg im Jahr 2002 gegen den ehemaligen Weltmeister, den Russen Garri Kasparow.
Nach ihrem Rücktritt vom Wettkampfschach im Jahr 2014 widmet sie sich seither der Förderung des Schachsports unter Jugendlichen und der Entwicklung von Bildungsprojekten, was ihr in der ungarischen Gesellschaft ein hohes Ansehen eingebracht hat. Ihre Karriere wurde oft mit der der Heldin der Netflix-Serie „Das Damengambit“ verglichen, deren Treue zum Schachsport sie 2020 lobte.
Gemeinschaft
Bemerkungen
Schreiben Sie eine Rezension
Sei der Erste, der diesen Artikel kommentiert.