Die Europäische Kommission schlägt eine Erhöhung der Mindeststeuer auf Zigaretten um 139 % sowie die Einführung der ersten europäischen Steuern auf E-Zigaretten und Tabakerhitzer vor. Rund jeder vierte Europäer raucht noch immer, und jährlich sterben auf dem Kontinent fast 700.000 Menschen an tabakbedingten Krankheiten.
Noch immer raucht jeder vierte Europäer Zigaretten. Diese seit Jahren stagnierende Zahl veranlasst die Europäische Kommission zu einer umfassenden Überarbeitung ihrer Steuerpolitik für Tabak- und Nikotinprodukte. Die geplante Revision der Tabaksteuerrichtlinie sieht eine Erhöhung der Mindestverbrauchsteuer auf Zigaretten um 139 % vor und führt erstmals EU-weit harmonisierte Steuern auf E-Zigaretten, Tabakerhitzer und Nikotinbeutel ein.
Diese Initiative geht auf eine Bewertung der Kommission zurück, die die geltende Gesetzgebung als „zunehmend veraltet“ einstufte. Obwohl die Raucherquote in der europäischen Erwachsenenbevölkerung von 28 % auf 24 % gesunken ist, sterben in der Union jährlich fast 700.000 Menschen an tabakbedingten Krankheiten.
Der Aufstieg neuer Nikotinprodukte verkompliziert die Lage. Der Konsum verlagert sich von herkömmlichen Zigaretten hin zu E-Zigaretten, Geräten wie IQOS und Nikotinbeuteln. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt fest, dass 11,6 % der 13- bis 15-Jährigen in Europa diese Produkte nutzen. Gesundheitsexperten bestätigen zwar, dass sie die Konsumenten weniger schädlichen Chemikalien aussetzen als herkömmliche Zigaretten, betonen aber, dass sie dennoch süchtig machen und durch Aromen, soziale Medien und gezielte Marketingstrategien aktiv an junge Menschen vermarktet werden.
Die Reform zielt auch darauf ab, das EU-Rückverfolgbarkeitssystem auf Rohtabak auszuweiten, um den illegalen Handel besser zu bekämpfen. Der Text stößt jedoch auf politischen Widerstand. Im Juni 2026 scheiterte das Europäische Parlament mit der Verabschiedung einer unverbindlichen Stellungnahme, da die Abgeordneten einen als zu abgeschwächt empfundenen Bericht aufgrund fehlenden Konsenses über den Umfang der erforderlichen Änderungen ablehnten. Die endgültige Entscheidung liegt beim Rat der EU, wo die 27 Mitgliedstaaten einstimmig abstimmen müssen, was die Annahme der Reform ungewiss macht.
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