Die spanische autonome Stadt Ceuta, eine Exklave an der marokkanischen Nordküste, sieht sich mit einer neuen Migrationswelle von beispiellosem Ausmaß konfrontiert. Innerhalb weniger Tage erreichten Tausende Migranten spanisches Territorium, vorwiegend schwimmend um die Grenzkontrollen herum oder über die Küste. Die lokalen Behörden sprechen von einem Notstand; die Aufnahmeeinrichtungen sind völlig überlastet. Laut Angaben der Behörden in Ceuta kamen innerhalb einer Woche fast 1.500 Menschen an, und die Zahl dürfte weiter steigen. Die Migranten stammen hauptsächlich aus Marokko, aber auch aus anderen nordafrikanischen Ländern. Unter ihnen befinden sich viele unbegleitete Minderjährige, deren Betreuung die sozialen Dienste der Exklave enorm belastet.
Überlastete Aufnahmezentren
Die Unterbringungskapazitäten in Ceuta sind längst erschöpft. Hunderte Menschen mussten aufgrund fehlender Plätze vorübergehend in Notunterkünften untergebracht werden oder im Freien schlafen. Die lokalen Behörden schlagen Alarm wegen der Situation unbegleiteter Minderjähriger, deren Zahl innerhalb weniger Tage sprunghaft angestiegen ist und die Kinderschutzdienste an ihre Grenzen bringt. Angesichts dieser Lage hat der Präsident von Ceuta die spanische Regierung um eine außerordentliche Mobilisierung von Ressourcen gebeten, um die vor Ort eingesetzten personellen, logistischen und finanziellen Ressourcen zu verstärken.
Madrid schickt Verstärkung.
Die spanische Regierung hat die Entsendung von Militär- und Polizeikräften zur Unterstützung der Guardia Civil bei der Grenzsicherung angekündigt. Zusätzliche maritime Ressourcen wurden ebenfalls eingesetzt, um Grenzübergänge zu überwachen und Menschen in Seenot zu helfen. Madrid setzt zudem die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden fort, um weitere Grenzübertritte zu begrenzen und die Abfertigung der Ankommenden gemäß spanischem und europäischem Recht zu organisieren. Die spanischen Behörden betonen jedoch erneut, dass die Rückführungsverfahren den jüngsten Gerichtsurteilen zu Migranten, die auf dem Seeweg eingereist sind, entsprechen müssen.
Mehrere Todesfälle bei den Grenzübertritten
Die Überfahrt zwischen der marokkanischen Küste und Ceuta ist weiterhin besonders gefährlich. In den letzten Tagen kamen mehrere Menschen beim Versuch, die Enklave schwimmend zu erreichen, ums Leben, viele weitere mussten von spanischen Rettungskräften gerettet werden. Die Behörden befürchten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen wird, wenn die Versuche im gleichen Ausmaß anhalten.
Eine Krise, die an die von 2021 erinnert.
Das Ausmaß der Ankünfte weckt Erinnerungen an die Migrationskrise vom Mai 2021, als innerhalb weniger Tage fast 10.000 Menschen in die spanische Exklave einreisten. Obwohl die Umstände unterschiedlich sind, gehen die Behörden davon aus, dass der aktuelle Migrationsdruck zu den höchsten der letzten Jahre zählt und fordern eine koordinierte Reaktion des spanischen Staates und der Europäischen Union.