Der Chef von Meta, der sich mehrere Stunden vor einem Zivilgericht in Los Angeles verantworten musste, wies die Anschuldigungen zurück, seine Plattformen seien absichtlich so gestaltet worden, dass sie die Aufmerksamkeit junger Menschen übermäßig fesselten. Das Unternehmen, das zusammen mit Google von Tausenden amerikanischen Familien verklagt wurde, steht im Verdacht, die exzessive Nutzung von Instagram und YouTube gefördert und damit die psychische Gesundheit Minderjähriger beeinträchtigt zu haben.
Unter Eid räumte der CEO ein, dass Maßnahmen zum Schutz von Kindern unter 13 Jahren vor der Kontoeröffnung zu spät eingeführt wurden. Instagram verlangte erst ab 2019 ein Geburtsdatum und erweiterte und verschärfte die Kontrollen in den Folgejahren. Er gab zu, dass diese Maßnahmen früher hätten umgesetzt werden können, betonte aber gleichzeitig, dass die Erhöhung der Bildschirmzeit nicht mehr die aktuelle Priorität sei.
Interne Ziele geprüft
Die Anhörung brachte interne Dokumente ans Licht, in denen zuvor Ziele zur Steigerung der durchschnittlichen Nutzungsdauer genannt wurden. Auf die Frage nach einem Ziel aus dem Jahr 2015, das Nutzerengagement innerhalb von drei Jahren deutlich zu steigern, räumte die Führungskraft die Existenz solcher Indikatoren ein, betonte aber gleichzeitig, die Strategie inzwischen auf den Nutzen für die Nutzer ausgerichtet zu haben. Weitere, aktuellere Dokumente, die tägliche Nutzungsschwellenwerte nannten, wurden von den Klägern vorgelegt, um ihre These einer Kundenbindungsstrategie zu untermauern.
Die Jury muss entscheiden, ob die Plattformen zu den Problemen einer jungen Amerikanerin, heute 20 Jahre alt, beigetragen haben, die angibt, seit ihrer Kindheit exzessiv soziale Medien zu nutzen. Dieser Fall ist Teil einer Reihe von Prozessen, die die mögliche Verantwortung großer digitaler Anbieter für den Anstieg von Angstzuständen, Depressionen und riskantem Verhalten unter Jugendlichen untersuchen sollen.