Sophie Adenot, die Astronautin, die Mädchen Ideen gibt
Sophie Adenot, die Astronautin, die Mädchen Ideen gibt

Der ständige Anblick derselben männlichen Astronauten in weißen Kitteln lässt manche Teenager-Mädchen glauben, Wissenschaft sei „nichts für sie“. Sophie Adenot, eine französische Astronautin, die von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) für den Jahrgang 2022 ausgewählt wurde, stellt diese weit verbreitete Ansicht infrage. Als Testpilotin, Ingenieurin und ehemalige Offizierin verkörpert sie Fähigkeiten, die bei Frauen in der Luft- und Raumfahrt noch immer selten anzutreffen sind. Ihr Image spricht für sich, und das weiß sie.

Monatelang hat die junge Astronautin an zahlreichen Experimenten, Präsentationen und Aktionen für ein junges Publikum teilgenommen. Ihre öffentlichen Auftritte werden von vielen Menschen verfolgt, denn hinter ihrem Helm und Raumanzug steckt eine einfache Idee: Sie möchte Mädchen im Teenageralter, die zögern, eine Karriere in Wissenschaft und Technik anzustreben, als Vorbilder dienen. Am Mittwoch, dem 29. April, wird sie außerdem live von der Internationalen Raumstation in den 20-Uhr-Nachrichten von France 2 zu sehen sein – einer wichtigen Nachrichtensendung, in der jedes Wort zählt, besonders wenn es in einem Wohnzimmer übertragen wird.

Ein Symbol genügt nicht, aber es öffnet eine Tür.

Ein Symbol genügt nicht, aber es öffnet eine Tür.

Der Effekt zeigt sich bereits in realen Geschichten. Jeanne, eine 13-jährige Schülerin aus Val-d’Oise, liest Bücher über Astrophysik und nennt Sophie Adenot als Vorbild: Sie sagt, ihr Interesse an den Naturwissenschaften sei durch Thomas Pesquet geweckt worden, und die Ankunft einer Astronautin habe ihr schließlich erlaubt, sich ihren eigenen Platz darin vorzustellen. Dieses Detail ist bedeutsam, denn in diesem Alter wandelt sich die Identifikation oft von Neugier zu Ehrgeiz. Die Wahl eines Studienfachs ist nicht wie die Wahl einer Farbe; sie ist auch die Wahl des eigenen Selbstbildes.

Denn die Zahlen bleiben hartnäckig. Zu Beginn des Schuljahres 2025 stellten Mädchen laut Angaben des Bildungsministeriums lediglich 14,2 % der Schülerinnen und Schüler in den Ingenieurwissenschaften und 15 % in Informatik und Digitaltechnik an Gymnasien, während ihr Anteil in Mathematik bei 41,8 % und in Physik und Chemie bei 47,5 % lag. Nach dem Schulabschluss vergrößert sich die Kluft noch weiter: Laut dem Ministerium für Hochschulbildung liegt der Frauenanteil in den Ingenieurstudiengängen bei lediglich 29,8 %. Gleichzeitig weist die Regierung darauf hin, dass in Frankreich jährlich über 20.000 Ingenieure und 60.000 Techniker fehlen, was im Frühjahr 2025 zur Einführung des Programms „Mathematik und Mädchen“ führte.

Der Kern der Sache bleibt: Eine Heldin, so gut sie auch gewählt sein mag, kann weder eine fundierte Beratung noch Lehrkräfte ersetzen, die darin geschult sind, Selbstzensur zu erkennen, noch Familien, die hinsichtlich der beruflichen Perspektiven ihrer Kinder beruhigt sind. Sophie Adenot leistet ihrerseits einen beeindruckenden Beitrag: Sie macht sichtbar, was fern, fast verboten schien. Und während eine Stimme von der ISS Berufungen wecken kann, spielt sich die wahre Geschichte auf der Erde ab, in Klassenzimmern, Beratungsgesprächen und alltäglichen Entscheidungen, wo Wege im Stillen geebnet werden.

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