Pestizide und Medikamente: weitverbreitete Verschmutzung entlang der gesamten französischen Küste @AP
Pestizide und Medikamente: weitverbreitete Verschmutzung entlang der gesamten französischen Küste @AP

Die Ergebnisse sind alarmierend: Spuren von Pestiziden und Medikamenten wurden entlang der gesamten französischen Küste, vom Pas-de-Calais bis nach Korsika, nachgewiesen. Eine gemeinsam von Ifremer und CNRS durchgeführte Studie zeigt, dass die chemische Verschmutzung mittlerweile alle französischen Küsten betrifft. Im Rahmen des Projekts Emergent'SeaFür ihre Studie analysierten Forscher mehr als 11.000 Proben, die zwischen 2021 und 2023 sowohl im Meerwasser als auch in Weichtieren (Austern, Muscheln) entnommen wurden. Die Ergebnisse sind eindeutig: Überall wurden Rückstände von Arzneimitteln und Herbiziden gefunden, darunter auch solche, die seit Jahrzehnten verboten sind. Zu den identifizierten Molekülen gehört Atrazin, ein seit über zwanzig Jahren verbotenes Herbizid, aber auch Paracetamol und Oxazepam, ein häufig verschriebenes Anxiolytikum.

Diffuse und anhaltende Kontamination

Forscher führen diese Verschmutzung auf ein doppeltes Phänomen zurück: Abfluss von landwirtschaftlichen Flächen und Transport durch Meeresströmungen. Diese Schadstoffe, die von Flüssen in die Ozeane getragen und schließlich in der marinen Nahrungskette angereichert werden, sind nicht überraschend, so Marc Valmassoni, Sprecher der NGO Surfrider. Ihr Ausmaß sei jedoch besorgniserregend: „Die Tatsache, dass wir so viele davon überall finden, beunruhigt uns. Diese Moleküle sind, einmal in der Meeresumwelt vorhanden, praktisch unzerstörbar.“ Diese unsichtbare Verschmutzung wirft gesundheitliche und ökologische Fragen auf. Die Auswirkungen dieser chemischen Cocktails auf die marinen Ökosysteme sind noch wenig erforscht. Das Ifremer betont, dass es derzeit keine offizielle Norm mit einer Toleranzschwelle für diese Art von Schadstoffen gibt, was eine Risikobewertung erschwert.

Forderungen nach dringender Regulierung

Umwelt-NGOs fordern nun eine systematische Überwachung dieser Substanzen und die Festlegung gesetzlicher Grenzwerte. Isabelle Amouroux, Leiterin der Abteilung „Chemische Kontamination mariner Ökosysteme“ am Ifremer, hält es für unerlässlich, diese Daten interpretieren zu können, um festzustellen, ob eine Gefahr für die Meeresfauna und die menschliche Gesundheit besteht. Surfrider fordert außerdem, das Problem an der Quelle anzugehen: den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren, den Drogenausstoß besser zu regulieren und die Öffentlichkeit für die Auswirkungen ihres Konsums zu sensibilisieren. Die Studie deckt zwar eine weit verbreitete Verschmutzung auf, zeigt aber auch eine beunruhigende Wahrheit: Unsere Küsten, ein Spiegel unserer Gewohnheiten an Land, spiegeln nun die Exzesse einer mit Chemikalien gesättigten Gesellschaft wider.

Was sollten wir uns schnell merken?

Die Ergebnisse sind alarmierend: Entlang der gesamten französischen Küste, vom Pas-de-Calais bis nach Korsika, wurden Spuren von Pestiziden und Medikamenten nachgewiesen.