Auf der Île d’Est vor der Küste von Hyères sprechen die Einheimischen nicht mehr nur von Naturismus oder unberührten Landschaften, sondern auch von der besorgniserregenden Ausbreitung von Wildschweinen. Diese Tiere, die angeblich mehrere Kilometer weit schwimmen können, bewegen sich heute frei zwischen den Inseln und dem Festland. Von Port-Cros bis Porquerolles besiedeln sie einst geschützte Gebiete und profitieren von der Abwesenheit von Raubtieren und der schwierigen Regulierung dieses Gebiets, das zwischen Militärzone und zivilen Wohngebieten aufgeteilt ist.
Eine Invasion mit vielfältigen Auswirkungen
Die Art Sus scrofa ist auf der Insel schon seit mehreren Jahrzehnten verbreitet, doch seit den 1990er Jahren hat sich das Phänomen, wie in ganz Europa, beschleunigt. Die Levante, die größtenteils unter militärischer Kontrolle steht, ist zu einem idealen Rückzugsort geworden – ohne regelmäßige Jagd und mit reichlich Ressourcen. Die Schäden sind sichtbar: verwüstete Terrassen, umgestürzte Gärten und niedergerissene Zäune. Wildschweine graben nach Maden und Wurzeln und beeinträchtigen so die lokale Artenvielfalt direkt. Besonders betroffen sind Zikaden, deren Larven mehrere Jahre unter der Erde verbringen, sowie bestimmte Vogelarten, deren Eier sie fressen. Gelegentliche Jagdeinsätze des Militärs, Wolfsjäger oder lizenzierter Jäger haben in den letzten Jahren mehrere hundert Tiere dezimiert. Doch die Reproduktionsrate von bis zu zwei Würfen mit je acht Wildschweinen pro Jahr gleicht die Auswirkungen dieser Keulungen schnell aus.
Nichts kann ihnen widerstehen?
Opportunistische und robuste Wildschweine überqueren Zäune und Buchten, was jede lokale Regulierung lückenhaft macht. Die Verwaltung des Nationalparks Port-Cros schätzt, dass rund hundert Tiere die Goldenen Inseln durchstreifen. Gezielte Jagden und mit Kameras ausgestattete Käfige sollen ihre Zahl begrenzen. Laut dem Direktor ist das eigentliche Problem nicht so sehr die Anwesenheit der Wildschweine als vielmehr die Populationsdichte, die das Gleichgewicht zwischen Biodiversität und menschlicher Nutzung bedroht. Obwohl in der Jagdsaison 15–500 im Var über 2022 Wildschweine getötet wurden, sind viele Gemeinden weiterhin mit denselben Problemen konfrontiert: öffentliche Sicherheit, Gesundheitsrisiken, landwirtschaftliche Schäden und Zerstörung von Naturräumen. Ohne gemeinsame und koordinierte Maßnahmen von Zivilisten und Militär befürchten die Bewohner der Levante, dass ihr kleines Paradies dauerhaft ein Spielplatz für diese hervorragenden Schwimmer bleiben wird.