Gisele Pelicot spricht vor der Anhörung am 16. September 2024 in Avignon
Gisele Pelicot spricht vor der Anhörung am 16. September 2024 in Avignon

Nach elf Wochen intensiver Anhörungen hat die Justiz eine entscheidende Phase im Prozess gegen begonnen Dominique Pelicot wird beschuldigt, ein Jahrzehnt lang Drogen genommen, vergewaltigt und seine Frau vergewaltigen zu lassen. An diesem Montag, dem 25. November, forderte die Staatsanwaltschaft die Höchststrafe von 20 Jahre strafrechtliche Freiheitsstrafe, denunzieren „verabscheuungswürdige Taten“ äußerst ernst.

Für Laure Chabaud, eine der Stimmen der Staatsanwaltschaft, ist dieses Urteil schwer, aber angesichts des Ausmaßes des zugefügten Leids unzureichend. „20 Jahre sind sowohl viel als auch zu wenig: zu wenig angesichts der Schwere der begangenen und wiederholten Taten“, beharrte sie und betonte die volle Verantwortung des Angeklagten.

Dieser Prozess, der in Avignon stattfand, erregte landesweite Aufmerksamkeit. Ironischerweise fiel die Anklage mit dem Internationalen Tag zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zusammen, ein besonders starkes Symbol, so Antoine Camus, Anwalt der Zivilparteien. „Die Anklage an diesem ganz besonderen Tag ist ein weiteres Symbol“, betonte er.

Die Ereignisse im Dorf Mazan erschütterten das Gewissen. Für Jean-François Mayet, Vertreter der Staatsanwaltschaft, geht dieser Prozess über die Frage der individuellen Schuld hinaus. „Es geht nicht nur um eine Verurteilung oder einen Freispruch, sondern um eine grundsätzliche Infragestellung der Beziehungen zwischen Mann und Frau“, erklärte er bei der Eröffnung der Anklage.

Gisèle PelicotDer inzwischen 71-Jährige weigerte sich, den Prozess hinter verschlossenen Türen stattfinden zu lassen. Mit dieser mutigen Entscheidung wollte sie die Scham verdrängen, die allzu oft auf den Opfern lastet. „Lass die Scham die Seite wechseln“, forderte sie. Ihre öffentliche Meinungsäußerung und ihre Würde angesichts des Grauens haben sie zu einer Figur im feministischen Kampf gemacht, und das endgültige Urteil wird mit besonderer Spannung erwartet ...