Der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrat (ESEC) wählt am Mittwoch, den 20. Mai, seine neue Präsidentin. Erstmals in der Geschichte dieser 1958 gegründeten Institution wird eine Frau den Vorsitz übernehmen. Die 175 Mitglieder der dritten Nationalversammlung der Republik entscheiden zwischen zwei Kandidatinnen mit unterschiedlichen Profilen: Claire Thoury, Präsidentin der Vereinigungsbewegung (Mouvement associatif), die in einer Ende März veröffentlichten gemeinsamen Erklärung von der Mehrheit der Gewerkschaften unterstützt wird, und Dominique Carlac'h, ehemalige Sprecherin des französischen Arbeitgeberverbands Medef, die von den Arbeitgebern unterstützt wird. Die Wahl findet am Ende der Amtszeit von Thierry Beaudet statt, der seit 2021 im Amt ist, und zu einem Zeitpunkt, an dem die im Palais d'Iéna ansässige Institution mit Fragen nach ihrem Zweck konfrontiert ist.
Zwei Visionen zur Revitalisierung der Institution
Die beiden Kandidatinnen präsentieren unterschiedliche Visionen zur Revitalisierung des Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrats (CESE). Dominique Carlac'h betont ihre Erfahrung in der Wirtschaft und im sozialen Dialog und erklärt, dass sie in ihren früheren Funktionen im Sport und in der Nationalversammlung stets nach Gemeinsamkeiten gesucht habe. Claire Thoury hebt ihrerseits die Fähigkeit des CESE hervor, den Staat dank der ihm angegliederten Organisationen und der Bürgerinnen und Bürger von der ständigen Krisenbewältigung hin zu einer langfristigen Planung zu führen. Ein Mitglied der Institution fasst das Problem unmissverständlich zusammen: Die Nationalversammlung wird allzu oft als Institution wahrgenommen, die riesige Berichte verfasst, die niemand liest.
Eine wiederzuerlangende Legitimität
Diese historische Wahl findet vor dem Hintergrund von Zweifeln an der Legitimität des Wirtschafts-, Sozial- und Umweltrats statt. Die Institution sieht sich trotz ihres Verfassungsstatus und ihrer beratenden Funktion bei der Ausarbeitung von Wirtschafts- und Sozialgesetzen immer wieder Kritik an ihrem tatsächlichen Einfluss auf die öffentliche Debatte ausgesetzt. Die künftige Präsidentin oder der künftige Präsident muss daher nicht nur die Geschlechterparität an der Spitze dieser Versammlung gewährleisten, sondern auch die Glaubwürdigkeit eines Gremiums wiederherstellen, dessen beratende Funktion im politischen Tumult Frankreichs zunehmend an Gehör verliert.
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