Die Nationalversammlung prüft seit Dienstag, dem 2. Juni, einen Entwurf für eine Verfassungsreform, die Korsika Autonomie gewähren soll. Der Text zielt darauf ab, der Insel einen Sonderstatus in der Verfassung zu verleihen, der es ihr ermöglicht, bestimmte nationale Gesetze und Verordnungen an ihre spezifischen Gegebenheiten anzupassen. Diese als historisch bezeichnete Reform markiert einen Bruch mit der jakobinischen Tradition der Französischen Republik. Die Regierung plädiert für ein ausgewogenes Verhältnis: Sie will der korsischen Nationalversammlung mehr Autonomie gewähren, ohne die Einheit des Staates zu gefährden.
Ein lokaler Konsens, nationale Spaltungen
Auf der Insel genießt das Projekt breite Unterstützung. Lokale Mandatsträger aller politischen Richtungen sehen in dieser Autonomie eine Antwort auf jahrzehntelange Forderungen. Sie erhoffen sich erweiterte Befugnisse in Bereichen wie Raumplanung, Umweltschutz und Steuerwesen. Ein Referendum könnte diese bedeutende institutionelle Veränderung bestätigen. Im Pariser Parlament hingegen ist die Stimmung gespalten. Einige sehen darin einen demokratischen Fortschritt, während andere befürchten, es könne einen gefährlichen Präzedenzfall für andere Regionen schaffen.
Der politische Kalender verkompliziert die Angelegenheit. Nur wenige Monate vor der Präsidentschaftswahl hat die Debatte eine stark symbolische Dimension angenommen. Gegner des Gesetzesentwurfs prangern ihn als Angriff auf den Grundsatz der territorialen Gleichheit an und befürchten einen Dominoeffekt. Befürworter entgegnen, Korsika sei mit seiner einzigartigen Geschichte und Geografie nicht mit anderen Regionen vergleichbar. Der Gesetzesentwurf benötigt eine qualifizierte Mehrheit im Parlament und muss anschließend per Referendum oder vom Kongress in Versailles ratifiziert werden. Der Ausgang ist ungewiss.
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