Die Prognosemarktplattform Polymarket steht seit Beginn des Iran-Irak-Krieges massiv in der Kritik. Auf dieser Seite können Nutzer auf die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Ereignisse wetten, seien sie politischer, wirtschaftlicher oder geopolitischer Natur. Seit den ersten US-israelischen Angriffen auf den Iran Ende Februar haben mehrere Wetten im Zusammenhang mit dem Konflikt beträchtliche Summen angezogen, darunter 529 Millionen US-Dollar auf die Möglichkeit eines US-Angriffs auf den Iran.
Polymarket funktioniert nach dem Prinzip des Kaufs von „Anteilen“, die mit einem Ereignis verbunden sind. Tritt das Ereignis ein, ist der Anteil 1 US-Dollar wert; andernfalls ist er wertlos. Die Preise schwanken je nach Angebot und Nachfrage, wodurch die Plattform eine Echtzeit-Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit eines Ereignisses, wie beispielsweise eines Waffenstillstands, des Sturzes eines Regimes oder der Entwicklung eines Konflikts, ermöglicht.
Verdacht auf Insiderhandel und ethische Kontroverse
Die Plattform steht derzeit unter Beobachtung, nachdem kurz vor den Angriffen auf den Iran erhebliche Gewinne bestimmter Konten entdeckt wurden. Ein Blockchain-Analyseunternehmen behauptet, mehrere Wallets hätten durch Wetten auf den Zeitpunkt der Angriffe rund 1,2 Millionen US-Dollar verdient. Diese Gewinne nähren den Verdacht, dass einige Nutzer möglicherweise Zugriff auf sensible oder vertrauliche Informationen hatten.
Die Kontroverse wurde durch als schockierend empfundene Wetten weiter angeheizt, insbesondere solche, die sich auf die Möglichkeit einer Atomexplosion vor einem bestimmten Datum bezogen und nach einer Welle der Empörung schließlich entfernt wurden. Mehrere amerikanische Politiker fordern nun eine strengere Regulierung dieser Prognosemärkte, denen vorgeworfen wird, geopolitische Krisen zu Spekulationsobjekten zu machen.
In Frankreich ist Polymarket verboten, da die Nationale Glücksspielbehörde (ANJ) der Plattform vorwirft, Online-Glücksspiel ohne Lizenz anzubieten. Trotz dieser Sperre greifen einige Internetnutzer weiterhin über technische Mittel wie VPNs darauf zu, was die Debatte über die Regulierung dieser neuen, mit den aktuellen globalen Ereignissen verknüpften Märkte neu entfacht.