Trotz eines Umsatzanstiegs von fast 10 Prozent im dritten Quartal fielen die Hermès-Aktien am Mittwoch an der Pariser Börse stark. Der Lederwaren- und Sattlerhersteller, ein Symbol für Beständigkeit im Luxussektor, erlebt eine Abkehr von den Anlegern. Sie ziehen Aktien an, die in einem schnelllebigen Markt als „dynamischer“ gelten.
Eine robuste Publikation, aber ein anspruchsvoller Markt
Hermès meldete zwischen Juli und September einen flächenbereinigten Umsatzanstieg von 9,6 % und lag damit leicht über dem Analystenkonsens (9,4 %). Diese Leistung überzeugte die Märkte jedoch nicht. Gegen 11:15 Uhr fiel der Aktienkurs um 4,4 % und verzeichnete damit den zweitgrößten Rückgang im CAC 40. Der Konzern enttäuschte leicht in seiner strategisch wichtigsten Sparte, Lederwaren und Sattlerwaren, die fast 45 % des Umsatzes ausmacht. Das Wachstum von 13,3 % lag knapp unter den Markterwartungen (14 %). Für die Royal Bank of Canada rechtfertigt allein diese Sparte, eine historische Säule des Erfolgs von Hermès, kurzfristig eine vorsichtige Reaktion. Andere Analysten wie Bernstein relativieren die Lage: Sie glauben, dass der Konzern seine Auslieferungen vor der umsatzstärkeren Weihnachtszeit möglicherweise einfach freiwillig eingeschränkt hat.
Eine Marktrotation hin zu riskanteren Werten
Diese Börsenkorrektur lässt sich auch durch eine breitere Dynamik erklären. Während LVMH und Kering vom Optimismus der Anleger hinsichtlich einer Erholung des Luxusmarktes im Jahr 2026 profitieren, gilt Hermès als defensiver Titel, der weniger wahrscheinlich eine starke Beschleunigung bietet. „Der Markt bevorzugt eine Neupositionierung bei reduzierten Aktien, auch wenn dies bedeutet, sichere Häfen aufzugeben“, erklärt ein Pariser Finanzmakler. UBS weist zudem auf das Ausbleiben einer deutlichen Erholung im asiatisch-pazifischen Raum hin, wo das Wachstum trotz einer günstigen Vergleichsbasis auf 6 % begrenzt bleibt. Diese Stabilisierung, gepaart mit der Abschwächung im Bekleidungs- und Accessoires-Bereich, könnte auf eine Normalisierung der Nachfrage nach mehreren Jahren starken Wachstums hindeuten.
Ein immer noch solider Wert, aber unter Druck
Seit Jahresbeginn haben die Hermès-Aktien rund 6,5 Prozent verloren, während LVMH um zwei Prozent und Kering um über 35 Prozent zulegten. Trotz dieses Rückgangs bleibt der Konzern einer der profitabelsten der Branche und weist eine Rekordbewertung auf. Doch für Jefferies könnte diese „fast zu perfekte“ Regelmäßigkeit nun ein Nachteil sein: „Die Märkte in der Erholungsphase suchen nach spektakulärem Wachstum, nicht nach Beständigkeit.“ Ein Paradoxon für ein Haus, dessen Modell genau auf Stabilität und Seltenheit basiert, fernab vom Marktrausch.