Die digitalen Geldbörsen der Franzosen verändern sich. Wero, das seit der Ablösung von Paylib im Jahr 2025 bereits für Peer-to-Peer-Überweisungen zwischen Freunden bekannt ist, betritt nun den wohl alltäglichsten und zugleich wichtigsten Bereich: Online-Zahlungen. Die BPCE-Gruppe (Banque Populaire und Caisse d'Épargne) hat die Einführung ihrer ersten E-Commerce-Transaktionen angekündigt – mit einem einfachen Versprechen: Einkäufe können direkt vom Konto bezahlt werden, ohne die Bankkarte zu zücken.
In der Praxis bestätigt der Nutzer die Zahlung direkt über seine Banking-App – per direkter Konto-zu-Konto-Überweisung. Keine Kartennummer, kein Ablaufdatum – so einfach wie möglich. Der Rollout startet Anfang Mai mit 500.000 Kunden und wird bis zum Sommer schrittweise auf alle 13 Millionen Nutzer ausgeweitet. Auch Händler profitieren von der Integration von Wero als Zahlungsmethode. Die französische Skischule (École du Ski Français) gehört zu den ersten Partnern und verarbeitet bereits Zahlungen.
Ein Klick, ein Konto und Europa als Kulisse
Hinter diesem technologischen Fortschritt verbirgt sich ein im weitesten Sinne politisches Thema: Unabhängigkeit. Wero ist das Vorzeigeprojekt der europäischen EPI-Initiative, die von mehreren Banken auf dem gesamten Kontinent unterstützt wird und ein klares Ziel verfolgt: Visa, Mastercard oder PayPal daran zu hindern, die Spielregeln einseitig festzulegen. BPCE bringt dies durch seinen Chief Digital & Payments Officer, Yves Tyrode, unmissverständlich zum Ausdruck, der von Zahlungssouveränität spricht – ein Begriff, der immer wieder fällt, wenn es um Finanzinfrastruktur geht.
Der entscheidende Faktor bleibt die Nutzung. Damit eine Zahlungsmethode automatisiert werden kann, bedarf es einer Vielzahl kompatibler Websites, einer reibungslosen Benutzererfahrung und breiter Akzeptanz bei Banken, nicht nur in Frankreich. Deutschland machte Ende 2025 den Anfang, Belgien folgte Anfang 2026, und der nächste angekündigte Schritt ist die Zahlung im stationären Handel mit dem Ziel einer flächendeckenden Einführung in ganz Europa bis 2027. Sollte es Wero gelingen, sich im Alltag zu etablieren, könnte die Bankkarte einen Teil ihrer Monopolstellung einbüßen … ohne jedoch vollständig zu verschwinden, zumindest nicht sofort.
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