Im kleinen Theater der Pariser Rechten ist der Vorhang noch nicht einmal gefallen, da liefern sich die Akteure bereits einen Schlagabtausch. Pierre-Yves Bournazel reagiert scharf auf Rachida Dati, die ihm nach seinem Rückzug von der gemeinsamen Liste vier Tage nach der zweiten Runde der Kommunalwahlen „Verrat“ vorwirft. In einem Interview mit Le Nouvel Obs erklärt der Pariser Abgeordnete, der damals von Horizons und Renaissance unterstützt wurde, die Ministerin sei „unfähig, aus ihrer Niederlage zu lernen“ und fordert sie auf, „Verantwortung für das Ergebnis zu übernehmen“. Der Ton ist gefasst, doch der Seitenhieb sitzt.
Eine Pariser Rechte, die mit alten Rechnungen abrechnet und bereits an das Jahr 2026 denkt.
Letztlich wendet sich Bournazel nicht nur gegen die Zusammenlegung der beiden Wahlgänge, sondern gegen eine ganze Strategie. Er argumentiert, der Kontext hätte ein Zeitfenster für Veränderungen eröffnen können, und verweist auf die Wahlreform der PLM und ein günstigeres Szenario für den zweiten Wahlgang mit einem möglichen Dreikampf und einer zersplitterten Linken, wäre die LFI-Kandidatin Sophia Chikirou im Rennen geblieben. Seine Aussage klingt wie ein politisches Urteil: „Rachida Dati war keine Lösung, sondern ein Problem.“ Und der Angriff geht weiter: Die ehemalige Kandidatin behauptet, sie sei „zum zweiten Mal gescheitert“ und habe „weitere sieben Jahre politischen Wandels verschwendet“. Sie bezeichnet sie als „spalterische und aggressive“ Figur und spielt beiläufig auf ihren bevorstehenden Prozess an.
Da bleibt die typisch Pariser Frage nach Kalkül und kollektiver Disziplin. Bournazel beteuert, nichts zu bereuen, da er „zum Wohle aller“ gehandelt habe, räumt aber gleichzeitig ein, die Interessen von Édouard Philippes Präsidentschaftskandidatur „sicherlich geschützt“ zu haben. Damit gibt er zu, dass Kommunalwahlen in Paris auch auf nationaler Ebene ausgetragen werden. Während die Rechte noch immer unter den Folgen ihrer Verluste leidet, erwartet die Hauptstadt am Sonntag die formelle Wahl ihres künftigen Bürgermeisters, und Bournazel treibt bereits ein konkretes Thema voran: die von Missbrauchsskandalen erschütterten Nachmittagsprogramme. Inmitten der parteiinternen Streitereien sind es oft genau diese Themen, die letztendlich alle einholen.
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