Neukaledonien: Sébastien Lecornu peilt den 28. Juni als Termin für die Provinzwahlen an; die Wählerschaft steht im Mittelpunkt des Machtkampfes.
Neukaledonien: Sébastien Lecornu peilt den 28. Juni als Termin für die Provinzwahlen an; die Wählerschaft steht im Mittelpunkt des Machtkampfes.

In den Machtzentren beschleunigt sich das Tempo. Sébastien Lecornu hat den 28. Juni als Termin für die Provinzwahlen in Neukaledonien mit erweitertem Wahlrecht vorgeschlagen. Dies ist ein folgenreiches Ereignis, da die Wahl die Zusammensetzung der Provinzversammlungen und des Kongresses bestimmt, der wiederum die lokale Regierung ernennt. Mit anderen Worten: Eine einzige Wahl kann die gesamte institutionelle Struktur Neukaledoniens grundlegend verändern.

Die Lunte, die nur noch eines Funkens bedarf, bleibt bestehen: Wer hat das Wahlrecht? Seit 2007 eingefroren, ist das Wählerverzeichnis ein Überbleibsel der Machtverhältnisse des Abkommens von Nouméa und ist langjährigen Einwohnern vorbehalten. Gegner der Unabhängigkeit fordern seit Jahren dessen Öffnung im Namen der Gleichberechtigung aller Bürger, während Befürworter die Gefahr einer „Verwässerung“ der kanakischen Wählerstimmen anprangern. Die Debatte ist alles andere als abstrakt; es geht um eine unmittelbare Frage politischer Identität und Machtverhältnisse.

Ein enger Zeitplan, ein Drahtseilakt

Methodisch präsentierte der Minister seine Entscheidungen den lokalen politischen Führern per Videokonferenz, nachdem er Ende April mehrere Szenarien vorgelegt hatte. Nach seiner Rückkehr von einer Reise nach Toulouse finalisierte er seinen Plan zu einem Zeitpunkt, als die Regierung die seit Jahren stockenden Diskussionen über die institutionelle Zukunft des Archipels wiederbeleben wollte. Der 28. Juni als Termin kann jedoch nur eingehalten werden, wenn das Parlament zuvor ein entsprechendes Gesetz verabschiedet. Dies erfordert einen parlamentarischen Zeitplan, der so präzise wie eine Uhr und gleichzeitig so fragil wie ein Kompromiss ist.

Der Frühling 2024 hinterließ seine Spuren: Die Wahlrechtsreform löste weit verbreitete Unruhen aus, die durch die Angst vor einem Machtmissbrauch angeheizt wurden. Die Regierung befindet sich daher in einer schwierigen Lage: Sie muss demografische Veränderungen mit der Suche nach einem lokal akzeptablen Rahmen in Einklang bringen, ohne den Eindruck zu erwecken, die Bevölkerung des Archipels zu etwas zu zwingen. Die Reaktionen beider Seiten, der Loyalisten und der Separatisten, werden nun mit Spannung erwartet, und es besteht die Gefahr, dass der Streit um den Wahlkalender den Kampf um die Zukunft neu entfacht.

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