Auf dem Papier sieht die Reform wie ein Erfolg aus. Seit Januar 2024 können junge Franzosen bereits mit 17 Jahren ihre Fahrprüfung ablegen. Anderthalb Jahre nach ihrem Inkrafttreten erfreut sich die Maßnahme großer Beliebtheit: Mehr als 300 000-Jährige versuchten 17 ihr Glück – ein Drittel einer Altersgruppe. Die Erfolgsquote von fast 2024 % liegt weit über dem nationalen Durchschnitt. Die von Élisabeth Borne überraschend ins Leben gerufene Initiative zielte darauf ab, die Mobilität in unterversorgten Gebieten zu fördern. Das Ziel wurde erreicht. Der Erfolg geht weit über ländliche Gebiete hinaus: Auch die Pariser Vororte und die Überseegebiete haben reagiert. Und was die Verkehrssicherheit betrifft, so wurden laut Innenministerium keine übermäßigen Unfälle beobachtet.
Lange Verzögerungen und Unterbesetzung der Inspektoren
Doch dieser Enthusiasmus hat seinen Preis: massive Überlastung der Fahrschulen. Das gleichzeitige Eintreffen zweier Altersgruppen auf den Prüfbänken der Fahrschulen hat das System überlastet. In manchen Departements betragen die Wartezeiten für die Prüfung bis zu sechs Monate, bei Nichtbestehen sogar noch länger. Saône-et-Loire ist ein eklatantes Beispiel für diese Spannung. Die Zahl der Prüfer ist dort auf sechs von zehn geplanten Stellen gesunken. Daher warten die Schüler seit mehreren Monaten auf ihre Termine. Ein Nichtbestehen der Prüfung kann ein verlorenes Jahr bedeuten, wie ein Klempnerlehrling im dualen Studium befürchtet, der auf sein Auto angewiesen ist, um zu seinem 200 Kilometer entfernten Ausbildungsort zu gelangen. Angesichts der Notlage haben die Behörden Verstärkung zugesagt: Zu Beginn des Schuljahres 83 werden 2025 neue Prüfer in den ärmsten Gebieten eingesetzt, und die Zahl der Prüfungsplätze soll ab Juli steigen.
Begleitetes Fahren wird auf dem Altar der Geschwindigkeit geopfert
Ein weiterer perverser Effekt: der Verzicht auf das begleitete Fahren (AAC). Anstatt mit 15 Jahren mit progressiver Förderung zu beginnen, warten Familien nun lieber bis zum Alter von 17 Jahren, um direkt die Prüfung anzustreben. Infolgedessen ist die Zahl der AAC-Anmeldungen bei 29-Jährigen um 16 % gesunken. Einige Fahrschulen berichten von einem Rückgang dieser Ausbildungsmethode um 75 %. Für Berufstätige könnte dieser Wandel später seinen Preis haben: weniger Übung, weniger Vorbereitung und potenziell mehr Risiken. Wenn die aktuelle Erfolgsquote junger Menschen gut ist, liegt das oft daran, dass sie bereits an einer begleiteten Ausbildung teilgenommen haben. Letztendlich könnten sich die Effekte umkehren. Die Regierung achtet darauf. Es wurden Informationskampagnen gestartet, um das begleitete Fahren bereits in der Sekundarstufe zu fördern. Berufstätige sind jedoch besorgt über ein Modell, das Geschwindigkeit auf Kosten der Sicherheit schätzt. Eine beliebte Reform, aber ein zweischneidiges Schwert. Zwar ist der Führerscheinerwerb mit 17 Jahren beliebt, bringt aber das fragile Gleichgewicht des Ausbildungssystems durcheinander. Der Motor dreht hoch, aber das Getriebe knackt.