Die europäische Fertigungswirtschaft scheint endlich aufzuatmen. Nach Monaten der Stagnation und Unsicherheit zeigen die neuesten Daten für Juni zaghafte, aber konkrete Anzeichen einer Stabilisierung der Fabriken in der Eurozone, insbesondere in Deutschland und Italien, zwei Säulen der europäischen Industrie. Auch Großbritannien verzeichnet trotz der Turbulenzen nach dem Brexit eine leichte Verbesserung im verarbeitenden Gewerbe. Ein zarter, aber lang ersehnter frischer Wind.
Doch während Europa eine moderate Erholung verzeichnet, hat Asien mit Gegenwind zu kämpfen. Die wichtigsten Industrienationen des Kontinents, allen voran China, sehen sich durch die Drohung neuer Zölle der USA und einiger europäischer Länder in ihrer Produktion beeinträchtigt. Diese protektionistischen Maßnahmen, oft mit Überlegungen zur „wirtschaftlichen Sicherheit“ oder „Handelsgerechtigkeit“ begründet, wirken sich direkt auf die asiatischen Exporte und das Vertrauen der Investoren aus.
Diese Divergenz zwischen Europa und Asien offenbart eine strategische Kluft. Auf der einen Seite versucht ein alter Kontinent, einen Teil seiner Produktion zu verlagern, ermutigt durch die zunehmende Souveränitätsrhetorik und das Bewusstsein für industrielle Abhängigkeiten nach Covid. Auf der anderen Seite steht ein exportstarkes Asien im Niedergang, bestraft durch seine übermäßige Abhängigkeit vom Welthandel, der nun unter permanenten Spannungen steht.
Die aktuellen Entwicklungen verdeutlichen auch die Grenzen des globalisierten Modells, das die letzten zwanzig Jahre dominiert hat. Es ist Zeit für eine Neuausrichtung der Industrie, strategische Standortverlagerungen und die Rückeroberung der wirtschaftlichen Souveränität. Doch dieser Übergang ist langsam, kostspielig und voller Fallstricke, insbesondere für Volkswirtschaften wie Frankreich, deren Produktionsketten nach wie vor stark auf Importe angewiesen sind.
Die Zukunft der europäischen Industrie wird von der Fähigkeit der Staaten abhängen, ihre strategischen Sektoren zu unterstützen und gleichzeitig den Brüsseler Wettbewerbs- und Defizitdiktaten zu widerstehen. Aus dieser Perspektive kann die derzeitige Erholung nur ein Vorspiel sein: Entweder vollzieht Europa einen produktivistischen und souveränistischen Wandel, oder es wird hilflos seinem eigenen Niedergang zusehen müssen.