Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte am Donnerstag für Frankreich ein deutlich höheres Staatsdefizit als die Regierung für 2027 und forderte die Umsetzung neuer Maßnahmen ab 2024 zum Schuldenabbau. Im Rahmen einer Mission nach Frankreich, bekannt als „Artikel 4“, rechnet der IWF mit einem öffentlichen Defizit von 4,5 % des BIP im Jahr 2027, verglichen mit 2,9 % nach Regierungsprognosen. Diese Divergenz erklärt sich aus der Tatsache, dass die wichtigsten von der Regierung geplanten Sparmaßnahmen noch nicht klar definiert sind, so die internationale Organisation.
Für 2024 prognostiziert der IWF ein öffentliches Defizit von 5,3 % des BIP, etwas höher als die von der Regierung erwarteten 5,1 %. Im April kündigte die französische Exekutive das „realistische und ehrgeizige“ Ziel an, durch die Umsetzung zusätzlicher Einsparungen von 20 Milliarden Euro im Jahr 2024 und erneut 20 Milliarden Euro im Jahr 2025 unter die von Brüssel auferlegte Defizitgrenze zurückzukehren. Der Hohe Rat für öffentliche Finanzen ( HCFP) hatte diese Prognosen zur Defizitreduzierung bis 2027 bereits als unplausibel und inkonsistent beurteilt.
Diese Einschätzung des IWF erfolgt kurz vor der Veröffentlichung des Ratings für Frankreich durch die Agentur S&P Global, nachdem Moody's und Fitch ihr Rating Ende April beibehalten hatten. Der IWF glaubt auch, dass die makroökonomischen Annahmen der Regierung zu optimistisch sein könnten, während Frankreich in diesem Jahr auf ein Wachstum von 1 % setzt, verglichen mit 0,8 % laut IWF.
In seinen Empfehlungen betont der IWF die Notwendigkeit, gezielt Arbeitslosenunterstützung, Unterstützungsprogramme für Arbeitnehmer und Unternehmen sowie eine Reform der Steuervergünstigungen festzulegen. Ohne zusätzliche Maßnahmen würde die Staatsverschuldung im Jahr 112 2024 % des BIP erreichen und mittelfristig um rund 1,5 Prozentpunkte pro Jahr steigen, warnt der IWF. Aufgrund dieser Verschuldung sind die öffentlichen Finanzen erhöhten Risiken im Falle eines unerwarteten Anstiegs der Finanzierungskosten oder einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ausgesetzt.