Frankreich am Rande des Zusammenbruchs: Das öffentliche Defizit nähert sich 6% und die Schulden explodieren
Abbildung des Hauptsitzes des Finanzministeriums in Paris Bercy.//BENAYACHEADIL_SIPA.23741/Credit:ADIL BENAYACHE/SIPA/2408131214

Am 27. März 2025 veröffentlichte das französische Finanzinstitut INSEE die offiziellen Zahlen zum französischen Staatsdefizit für 2024. Das Urteil ist eindeutig: Frankreich hat ein Defizit von 5,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erreicht, etwas besser als die prognostizierten 6 Prozent, aber immer noch weit entfernt von den für 4,4 erhofften 2023 Prozent. Gleichzeitig hat die Staatsverschuldung eine neue symbolische Schwelle überschritten und liegt bei 3 Milliarden Euro oder 305,3 Prozent des BIP – und das sind keine guten Nachrichten. In Europa sind nur Italien und Griechenland in einer noch schlimmeren Lage, doch das ändert nichts an dem beunruhigenden Bild, das diese Zahlen zeichnen.

Unzureichende Einnahmen und unkontrollierte Ausgaben

Betrachtet man die Ursachen dieser anhaltenden Verschlechterung, so muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass die Steuereinnahmen deutlich hinter den Prognosen zurückbleiben. Im Jahr 2024 werden diese zwar um 3,1 Prozent gestiegen sein, allerdings deutlich weniger schnell als das BIP. Die langsame wirtschaftliche Erholung von der Rezession im Jahr 2023 und das Fehlen bedeutender Strukturreformen haben die öffentlichen Finanzen belastet. Die öffentlichen Ausgaben setzten ihren schwindelerregenden Anstieg mit einem Plus von 3,9 Prozent fort und machen nun 57,1 Prozent des BIP aus.

Die Regierung, die ursprünglich ein Defizit von 6 Prozent für das laufende Jahr prognostiziert hatte, zeigt sich dennoch optimistisch. Haushaltsministerin Amélie de Montchalin kündigte an, das Defizit werde „etwas besser als erwartet“ ausfallen. Doch diese „kleine Verbesserung“ kann in keiner Weise eine Realität verbergen, die nach wie vor katastrophal ist. Das erklärte Ziel für 2025 besteht darin, das Defizit auf 5,4 Prozent zu senken. Das wahre Ziel besteht jedoch darin, bis 3 wieder unter 2029 Prozent zu kommen, was im gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Kontext völlig unrealistisch erscheint. Angesichts einer immer radikaleren Opposition und einer Wirtschaft, die weiterhin nur schwer in Gang kommt, wird die Regierung gezwungen sein, mit zunehmend eingeschränktem Handlungsspielraum zu manövrieren.

Eine explodierende Verschuldung, die die wirtschaftliche Zukunft gefährdet

Doch die Schulden steigen weiter. Im Jahr 2024 wird dieser Wert um 202,7 Milliarden Euro steigen – eine wahre Zeitbombe für die französische Wirtschaft. Diese Zahl ist schlichtweg erschütternd und zeugt von einer verantwortungslosen und realitätsfernen Haushaltsführung. Auch die Verschuldung der Kommunen ist rasant gestiegen, und zwar um 11,9 Milliarden Euro, was für die ohnehin schon unter Druck stehenden Kommunen eine zusätzliche Belastung darstellt.

Man sollte bedenken, dass die französische Staatsverschuldung mittlerweile die dritthöchste in der Eurozone ist, nach der von Griechenland und Italien. Anstatt eine führende Rolle bei der Steuerung der Eurozone zu spielen, entwickelt sich Frankreich zu einem Modell dafür, was man nicht tun sollte: Schulden anhäufen, Versprechen brechen und einen Steuerdruck aufbauen, der die Mittelschicht und die Unternehmen jeden Tag ein bisschen mehr erdrückt.

Unterdessen verwandelt sich Europa immer mehr in eine ineffiziente Bürokratiemaschine, die die wirtschaftlichen und sozialen Zwänge vervielfacht, ohne konkrete Lösungen anzubieten. Frankreich gerät mit seiner Schuldenkrise und steigenden Staatsverschuldung in eine gefährliche Spirale, aus der es ohne einen Bruch mit den europäischen Dogmen und eine Rückkehr zu einer wahrhaft souveränen und liberalen Politik scheinbar nicht herauskommt.

Die Regierung versucht, die Öffentlichkeit zu beruhigen, indem sie für April die Einrichtung eines Warnausschusses ankündigt, an dem Parlamentarier und lokale Behörden beteiligt sein sollen. Allerdings scheint es sich bei dieser Initiative eher um eine Kommunikationsmaßnahme als um eine wirkliche Lösung eines großen Strukturproblems zu handeln. Eine Frage drängt sich unweigerlich auf: Wann wird Frankreich beschließen, die Kontrolle über seine Finanzen und seine wirtschaftlichen Entscheidungen zurückzugewinnen, fernab von den Diktaten Brüssels und seiner europäischen Partner?