Diese Influencer verdienen mehr als die CEOs der CAC-40-Unternehmen.
Diese Influencer verdienen mehr als die CEOs der CAC-40-Unternehmen.

Lange Zeit galten Influencer lediglich als Internet-Unterhalter, doch innerhalb weniger Jahre haben sie sich zu wahren digitalen Industriellen entwickelt. Bis 2026 werden einige Content-Ersteller mehr verdienen als die Top-CEOs französischer Unternehmen, die an der Börse notiert sind. Diese wirtschaftliche Revolution stürzt traditionelle Macht- und Vermögensstrukturen ins Wanken.

Das Phänomen ist längst kein Einzelfall mehr. Laut Forbes ist MrBeast weiterhin der weltweit profitabelste Influencer mit prognostizierten Jahreseinnahmen von über 85 Millionen US-Dollar bis 2025 – die rasant steigende Bewertung seines Unternehmens Beast Industries noch nicht einmal eingerechnet. Mit gerade einmal 27 Jahren hat Jimmy Donaldson ein Imperium aufgebaut, das YouTube, Restaurants, Süßwaren, Streaming und kommerzielle Lizenzen umfasst. Schätzungen gehen mittlerweile von einer Gesamtbewertung zwischen 5 und 20 Milliarden US-Dollar aus.

Eine Parallelwirtschaft, die gigantisch geworden ist

Der auffälligste Unterschied bleibt die Kluft zu traditionellen CEOs. In Frankreich liegt die durchschnittliche Vergütung von Führungskräften der CAC 40 in der Regel zwischen 4 und 8 Millionen Euro pro Jahr, abhängig vom Unternehmen und den Bonuszahlungen. Einige digitale Kreative übertreffen diese Summen jedoch mittlerweile deutlich dank hybrider Einkommensquellen: Werbung, Abonnements, Produktplatzierungen, Personal Brands und Unternehmensbeteiligungen.

MrBeast bildet da keine Ausnahme mehr. Die globalen Größen auf TikTok, YouTube und Instagram bauen mittlerweile Wirtschaftskonzerne auf, die mit multinationalen KMU vergleichbar sind. Die direkten Einnahmen aus den Plattformen machen oft nur einen Bruchteil ihres tatsächlichen Vermögens aus. Ihr Kerngeschäft liegt heute in der Diversifizierung: Energy-Drinks, Kosmetik, Kleidung, Restaurants und audiovisuelle Produktionen.

Soziale Medien ersetzen das Fernsehen

Dieser Wandel ist umso dramatischer, als Influencer die traditionellen Fernsehsender für jüngere Generationen nach und nach verdrängt haben. Die unter 30-Jährigen konsumieren mittlerweile mehr Inhalte auf TikTok, YouTube oder Twitch als im herkömmlichen Fernsehen. Diese massive Zuschauerwanderung hat unweigerlich zu einer Verschiebung der Werbebudgets geführt.

Marken haben das perfekt erkannt. Ein Social-Media-Star kann mittlerweile mehrere Hunderttausend Euro für einen einzigen gesponserten Beitrag verlangen. Manche globale Kooperationen bringen sogar über eine Million Dollar für nur wenige Sekunden Sendezeit ein. Laut mehreren Wirtschaftsanalysen, die 2026 veröffentlicht wurden, könnte MrBeast durch bestimmte Werbeverträge, die in seine Videos integriert sind, bis zu drei Millionen Dollar verdienen.

Unternehmen sind viel mehr als nur YouTube-Kanäle.

Der größte Unterschied zu Influencern der ersten Generation liegt in ihrer unternehmerischen Transformation. Webstars leben nicht mehr allein von ihrem Image: Sie entwickeln eigene Produkte und kontrollieren die gesamte Wertschöpfungskette. Feastables, die Lebensmittelmarke von MrBeast, sollte laut mehreren im Jahr 2026 veröffentlichten Schätzungen bis 2026 einen Jahresumsatz von fast 250 Millionen US-Dollar erzielen.

Diese Logik ist allgegenwärtig. Logan Paul und KSI machten Prime Hydration zu einem globalen Phänomen. Kylie Jenner baute ein Kosmetikunternehmen mit einem Wert von mehreren hundert Millionen auf. Auch in Frankreich investieren einige Influencer massiv in Restaurants, Getränke, Medien und Immobilien. Der Influencer-Beruf ist zum Sprungbrett in den Schnelllebigkeitskapitalismus geworden, in dem die Reichweite direkt als Hebel für den kommerziellen Erfolg dient.

Eine Rentabilität, von der Investoren träumen

Auch die Finanzwelt beginnt, diese neue Ökonomie sehr ernst zu nehmen. Investoren sehen diese Kreativen als menschliche Marken, die in der Lage sind, im Handumdrehen Millionen von Konsumenten zu mobilisieren. Anders als bei traditionellen Unternehmen ist ihre Marketingkraft direkt in ihre öffentliche Identität integriert.

Diese Einflussmöglichkeit reduziert die Werbekosten erheblich. Wenn ein Content Creator ein Produkt auf den Markt bringt, verfügt er bereits über seine eigene globale Medienplattform. Einige amerikanische Risikokapitalgesellschaften investieren mittlerweile massiv in sogenannte „Creator Brands“, überzeugt davon, dass die zukünftigen Konsumgiganten häufiger auf TikTok als an traditionellen Wirtschaftshochschulen entstehen werden.

Die Schattenseiten eines unter Druck stehenden Systems

Doch hinter den beeindruckenden Zahlen verbirgt sich eine extrem brutale Wirtschaft. Der Wettbewerb ist allgegenwärtig, und der Algorithmus zwingt zu einem unerbittlichen Tempo. Mehrere weltbekannte Influencer haben zugegeben, aufgrund des ständigen Produktionsdrucks immer größerer Mengen an Inhalten unter psychischer Erschöpfung zu leiden.

Das Geschäftsmodell selbst bleibt fragil. Der Wert eines Influencers hängt direkt von seiner öffentlichen Präsenz ab. Ein Skandal, eine Kontroverse oder ein Rückgang der Zuschauerzahlen können sein Einkommen innerhalb weniger Wochen einbrechen lassen. Anders als die CEOs der CAC-40-Unternehmen leben diese neuen Millionäre in einer Aufmerksamkeitsökonomie, in der sich alles rasend schnell ändern kann.

Eine neue digitale Aristokratie

Dieses Phänomen offenbart vor allem einen tiefgreifenden Wandel der globalen Wirtschaftsmacht. Jahrzehntelang stammten die Finanzeliten aus renommierten Universitäten, Banken oder der Industrie. Heute kommen einige der einflussreichsten Unternehmer ihrer Generation aus einfachen Jugendzimmern, ausgestattet mit einer Kamera und einem Internetanschluss.

Bis 2026 wird Einfluss ein ebenso wertvolles Gut sein wie Fabriken oder Infrastruktur. Kreative, die weltweite Aufmerksamkeit erregen können, verfügen heute über enorme wirtschaftliche Macht. Und angesichts der explodierenden Einkommen digitaler Stars scheint die Grenze zwischen Influencer, CEO und Milliardär endgültig verschwunden zu sein.

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