Apple hat angekündigt, der Anordnung der indischen Regierung zur Installation einer staatlich kontrollierten Cybersicherheits-App auf allen im Land verkauften Smartphones nicht nachzukommen. Laut drei mit der Angelegenheit vertrauten Quellen bereitet das kalifornische Unternehmen eine offizielle Stellungnahme gegenüber Neu-Delhi vor, da die Anweisung heftige politische Kontroversen ausgelöst und die Angst vor Massenüberwachung geschürt hat.
Die von Reuters aufgedeckte Maßnahme verpflichtet Apple, Samsung und Xiaomi, die von der Regierung entwickelte App „Sanchar Saathi“ innerhalb von 90 Tagen vorzuinstallieren. Mit dieser App können Nutzer gestohlene Handys orten, sperren und Missbrauch verhindern. Die Regierung schreibt außerdem vor, dass die App nicht von den Nutzern deaktiviert werden kann, was die Befürchtungen hinsichtlich des potenziellen staatlichen Zugriffs auf persönliche Daten verstärkt.
Für die Hunderte Millionen bereits im Umlauf befindlichen Smartphones geht die Richtlinie sogar noch weiter: Die Hersteller müssen die Anwendung über ein obligatorisches Software-Update bereitstellen. Das indische Telekommunikationsministerium bestätigte diese Entscheidung und bezeichnete sie als notwendige Reaktion auf eine „ernsthafte Bedrohung“ der Cybersicherheit des Landes.
Die Opposition gegen die Modi-Regierung und diverse Aktivisten für digitale Rechte kritisieren die Maßnahme als übergriffig und befürchten, dass sie der Regierung beispiellosen Zugriff auf die 730 Millionen in Indien genutzten Smartphones gewährt. Sie argumentieren, diese Vorgabe sei Teil eines wachsenden Trends hin zu einer Ausweitung staatlicher Überwachungskapazitäten auf Kosten des Rechts auf Privatsphäre. Apple, das Datenschutz regelmäßig als Verkaufsargument hervorhebt, könnte in diesem technopolitischen Konflikt eine Schlüsselrolle spielen.