Versteckt im Einband eines alten Registers wurde durch Zufall eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert wiederentdeckt. Dies ist ein seltener Auszug aus der „Vulgata-Suite von Merlin“, einem Meisterwerk der mittelalterlichen Literatur.
Ein mittelalterliches Relikt, eingenäht in ein Hauptbuch aus dem 16. Jahrhundert
Jahrhundertelang war dieses Stück Pergament verborgen, versteckt im Einband eines Verwaltungsregisters aus der elisabethanischen Zeit. Es wurde von einem Archivar der Universität Cambridge entdeckt und enthüllt ein über 700 Jahre altes Fragment aus der „Vulgata-Suite von Merlin“, die um 1230 geschrieben wurde. Dieser altfranzösische Text erzählt von den epischen Anfängen von König Artus, seiner Beziehung zu Merlin und der Gründung der Tafelrunde. Es handelt sich vermutlich um eine Kopie, die um das Jahr 1300 angefertigt wurde und von einem unbekannten, aber gebildeten Schreiber in einem Dialekt aus Nordfrankreich unterzeichnet wurde, der einst beim englischen Adel beliebt war.
Die Sprache des Manuskripts, die in der Neuzeit außer Gebrauch geraten ist, könnte erklären, warum es schließlich als Buchbindematerial wiederverwendet wurde. Sein historischer Wert war damals unbekannt und das Fragment wurde als bloßer Schrott angesehen.
Eine Wiederentdeckung, die durch modernste technologische Werkzeuge ermöglicht wurde
Um dieses Überbleibsel zu erforschen, ohne es zu beschädigen, verwendeten die Forscher fortschrittliche Bildgebungstechnologien. Multispektralkameras, Miniaturobjektive und digitale Verarbeitung haben gelöschte Tinte und gefaltete oder unzugängliche Textteile sichtbar gemacht. Anschließend erfolgte eine sorgfältige Rekonstruktion Foto für Foto, wie bei einem Puzzle.
„Sie hätten es als Verschwendung angesehen“, sagt Błażej Władysław Mikuła, der Fotodirektor des Projekts, ironisch und ruft damit die wahrscheinliche Reaktion der Menschen des 16. Jahrhunderts auf die heute eingesetzten Mittel hervor. Doch weit davon entfernt, ein Ausschuss zu sein, reiht sich dieses Fragment nun in die Riege der seltenen handschriftlichen Zeugnisse des mittelalterlichen Artus-Zyklus ein, von dem es weltweit nur noch etwa vierzig Exemplare gibt.