Im Théâtre de la Tempête in der Cartoucherie de Vincennes wird die Affäre um Carlos Ghosn in eine turbulente Farce verwandelt. Das Stück läuft bis zum 24. Mai. Alle sind schuldig, außer Thermos Gronn.Inspiriert vom Skandal um den ehemaligen Renault-Nissan-Chef, beleuchtet das Stück seine Flucht aus Japan aus einer bewusst absurden und surrealen Perspektive. Unter der energiegeladenen Regie von Sacha Vilmar und dem Drehbuch von Romane Nicolas nutzt die Inszenierung die Karikatur voll aus, um die Realität noch stärker zu unterwandern.
Eine Flucht, die sich in eine surreale Lachmaschine verwandelte
Das Stück basiert auf einer vielbeachteten Nachrichtengeschichte: Carlos Ghosns spektakuläre Flucht im Jahr 2019, als er nach seiner Anklage wegen Finanzvergehen heimlich aus Japan in den Libanon floh. In dieser Theaterfassung wird der ehemalige Manager zu Thermos Gronn, einer grotesken Figur, die sich auf eine wahnhafte Flucht in ein imaginäres Steuerparadies begibt.
Die Erzählung entfernt sich rasch vom Realismus und taucht ein in eine von Alfred Jarry inspirierte Welt, in der Polizisten Thomson und Thompson ähneln, Prozesse an unwahrscheinlichen Orten stattfinden und Autoritätspersonen lächerlich gemacht werden. Die Bühne wird zum Spielplatz, auf dem jede Szene der ohnehin schon instabilen Handlung eine weitere Ebene der Absurdität hinzufügt.
Die Besetzung, darunter Fanny Colnot, Étienne Guillot, Véronique Mangenot und Sacha Vilmar, trägt zu diesem rasanten Tempo bei. Ihre Darbietungen beruhen ebenso sehr auf der präzisen Darstellung der Situationen wie auf einer beständigen Energie, die das komische Durcheinander aufrechterhält.
Eine erfundene Sprache und eine bewegte Szenografie
Eines der auffälligsten Merkmale der Serie ist ihr Sprachgebrauch. Der Text ist gespickt mit Neologismen und bewussten Wortverfremdungen: Manche Vokale werden umgekehrt, wodurch alltägliche Ausdrücke in skurrile und komische Redewendungen verwandelt werden. Diese sprachliche Erfindung trägt zur distanzierten Wirkung bei und verstärkt den Eindruck einer Parallelwelt.
Das Bühnenbild folgt derselben experimentellen Logik. Eine Drehbühne, auf symbolische Objekte reduzierte Kulissen und bewusst beengte Räume schaffen eine unmittelbare Verbindung zum Publikum. Das Ganze ergibt einen Bühnenmechanismus, in dem sich die Schauplätze ständig wandeln und die Grenzen zwischen Gefängnis, Gerichtssaal und fantastischer Flucht verschwimmen.
Im Verlauf der Aufführung wird die Geschichte von Thermos Gronn zum Anlass für eine umfassendere Reflexion über Macht, Flucht und die Verachtung dominanter Figuren. Doch das Stück bleibt vor allem eine bewusste Stilübung, in der Absurdität und Satire Vorrang vor jedem Realismusanspruch haben.
Gemeinschaft
Bemerkungen
Die Kommentarfunktion ist geöffnet, aber vor Spam geschützt. Beiträge und Kommentare mit Links werden manuell geprüft.
Sei der Erste, der diesen Artikel kommentiert.