Bis zum 7. Juni 2026 präsentiert das Zentrum für die Geschichte des Widerstands und der Deportation in Lyon die Sonderausstellung „Krieg im Spiel“. Sie nähert sich dem Zweiten Weltkrieg aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel: Spielzeug und Spiele stehen dabei im Mittelpunkt. Stofftiere, Puppen, Brettspiele, Schulhefte – diese Alltagsgegenstände werden zu stummen Zeugen der Kindheit unter der Besatzung und mitunter zu Relikten unsäglicher Gewalt. „Dies ist ein neuer Ansatz, den Historiker in den letzten Jahren verfolgen: die Dimension von Spielen und Spielzeug als Zugang zum Verständnis des Alltags von Kindern während des Krieges“, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Marion Vivier, gegenüber Radio France.
Objekte, die ein individuelles Schicksal in sich tragen, von Verfolgung bis Massaker
Einige der ausgestellten Gegenstände tragen eine besonders schwere Geschichte in sich. Darunter befinden sich Puppen, die den beiden kleinen Mädchen Denise und Micheline Levy in Haguenau im Département Bas-Rhin bei ihrer Verhaftung vor der Deportation entrissen wurden. Ein weiteres Stück ist ein Holzspielzeug von René Deglane, einem Kind, das während des Massakers einer Waffen-SS-Einheit in der Kirche von Oradour-sur-Glane ums Leben kam. Die Ausstellung erinnert auch daran, wie sehr sich die Lebensrealität von Kindern im Krieg je nach ihren geografischen, sozialen oder religiösen Umständen unterschied: „Es gibt verschiedene Kindheiten im Krieg; keine gleicht der anderen, je nachdem, ob man in der Nähe der Landungsstrände der Normandie war oder nicht, ob man in der südlichen oder nördlichen Zone lebte oder ob man selbst zu den Verfolgten gehörte“, erklärte Marion Vivier gegenüber Radio France. Ein Inspektionsbericht des Nationalarchivs, der für die Ausstellung vorgelesen wurde, schildert, was Kinder 1943 in einer Grundschule in Marseille zeichneten.
Ein für Kinder ab 7 Jahren konzipierter Pfad, der einen Audioguide und ein Aktivitätsheft kombiniert.
Das CHRD (Zentrum für die Geschichte des Widerstands und der Deportation) ist sich der Dualität zwischen der optischen Anziehungskraft von Spielzeug und der harten Realität, die es repräsentiert, bewusst und hat daher eine spezielle Führung für Kinder ab 7 Jahren entwickelt. Ein kindgerechter Audioguide, gesprochen und vertont von der Firma Mademoiselle F*, entführt die Besucher anhand von elf Schlüsselobjekten in die Welt dieser Zeit. Die Objekte wurden ausgewählt, weil ihre jungen Besitzer einzigartige und gut dokumentierte Geschichten zu erzählen hatten. Ein kostenloses Aktivitätsheft ergänzt die Führung. Dieser Ansatz ermöglicht es den Besuchern, sich ungeschönt mit der Realität des Krieges und der Verfolgung jüdischer Kinder auseinanderzusetzen – indem vertraute Gegenstände in einen historischen Kontext gestellt werden, mit dem sich die jungen Besucher auf ihrem eigenen Niveau identifizieren können.
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