Ein kurioses französisches Paradoxon: Wir rühmen uns unserer Kultur, preisen sie als Pfeiler des Wohlbefindens, besuchen aber immer seltener Museen, Kinos oder Bibliotheken. Zwischen 2017 und 2025 ist die kulturelle Teilhabe deutlich zurückgegangen.
Jeder fünfte Franzose gibt an, in den letzten zwölf Monaten keinen einzigen kulturellen Ausflug unternommen zu haben – eine Zahl, die in einem Land, das sich gern als Nation der Künste und Literatur präsentiert, wie ein stiller Alarm klingt. Dennoch bleibt das Gesamtbild positiv: 86 % halten Kultur für einen wichtigen Bestandteil ihrer Lebensqualität, gleich nach Familie und Freunden.
Die Leinwand hat den Abend gewonnen, das Theater wartet.
Die Zahlen sprechen für sich. Nur noch 72 % der Befragten lesen mindestens ein Buch pro Jahr – 13 Prozentpunkte weniger als 2017. Kinobesuche sind auf 57 % gesunken (minus 20 Prozentpunkte), Besuche von Denkmälern oder historischen Stätten auf 51 % (minus 20 Prozentpunkte) und Museums- oder Ausstellungsbesuche auf 43 % (minus 19 Prozentpunkte). Bibliotheken und Medienzentren werden nur noch von 33 % besucht (minus 16 Prozentpunkte), Konzerte von 32 % (minus 8 Prozentpunkte), Theater-, Opern- oder Tanzaufführungen von 31 % und Festivals von 23 %. Dieser Rückgang beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Bevölkerungsgruppe; er betrifft alle erfassten Aktivitäten, als wären kulturelle Ausflüge, die einst selbstverständlich waren, optional geworden.
Der Bildschirm bleibt jedoch permanent belegt. 65 % der Befragten schauen Filme online, 62 % Serien, 54 % Dokumentationen und sogar Konzerte (34 %) oder Shows (30 %) genießen sie bequem vom Sofa aus. Man könnte den Preis, die Zeit, die Entfernungen, die Notwendigkeit der Vorplanung oder die Langeweile eines als zu standardisiert empfundenen Angebots dafür verantwortlich machen – all das wird genannt… doch der Hauptgrund bleibt: „fehlendes Interesse“. Genau das ist das eigentliche Problem, das Unbehagen auslöst: Es geht nicht nur um den Zugang, auch wenn je nach Einkommen und Wohnort weiterhin Ungleichheiten bestehen, sondern um die kollektive Begeisterung, als ob Kultur weiterhin öffentlich bewundert würde, während sich der Alltag zunehmend auf die eigenen vier Wände beschränkt.
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