Auf der Fashion Week sind reifere Models längst keine bloße Dekoration mehr. Von Chanel über Gucci bis hin zu Burberry – zahlreiche Luxusmarken präsentieren nun Models über 50 auf den Laufstegen, in Kampagnen und in der ersten Reihe. Dies ist eine ästhetische, aber auch eine kommerzielle Weiterentwicklung, denn die Marken wollen eine kaufkräftige Kundschaft mit Modeerfahrung ansprechen.
Stéphanie Cavallis Beispiel fand in diesem Winter besonders großen Anklang: Mit 50 Jahren eröffnete das Model Ende Januar die Haute-Couture-Show von Chanel für Frühjahr/Sommer 2026. Anschließend erklärte sie gegenüber der französischen Vogue, dass sie und ihre Kolleginnen derselben Generation das Gefühl hätten, jetzt sei „die beste Zeit, um 50 und Model zu sein“.
Podien, Kampagnen, erste Reihen: Die Sichtbarkeit von Menschen in ihren Fünfzigern nimmt zu.
Das Phänomen beschränkt sich nicht nur auf ein einzelnes Casting. Laut AFP lief Kate Moss (52) Mitte Februar für Demna Gvasalias erste Gucci-Show, während Twiggy (76) als Gesicht der Burberry-Kampagne für Frühjahr/Sommer 2026 ausgewählt wurde. Bei Jacquemus gehören Pamela Anderson (58) und Lio (63) zu den prominenten Persönlichkeiten, und der Designer wählte sogar seine Großmutter Liline (79) zur ersten Markenbotschafterin.
Diese Präsenz zeigt sich auch in den vorderen Reihen. Die AFP hebt hervor, dass immer mehr Stars in ihren Sechzigern auf den Laufstegen zu sehen sind, wie etwa Demi Moore bei Gucci, Andie MacDowell bei Armani und Michelle Pfeiffer bei Saint Laurent. Anders ausgedrückt: Die Modebranche begnügt sich nicht mehr damit, nur junge Menschen anzusprechen, sondern präsentiert ältere Frauen, die sichtbar, begehrenswert und in ihrer Zeit fest etabliert sind.
Luxusmarken suchen nach einer glaubwürdigeren Kundschaft… ohne dabei die Verbote zu missachten.
Für Victoria Dartigues, Einkaufsleiterin für Damenmode und Accessoires bei Galeries Lafayette, beruht diese Entwicklung auf einer einfachen Logik: Luxusmarken zielen auf berufstätige Frauen ab, die sich mit Mode auskennen und über die nötigen Mittel verfügen, erklärte sie gegenüber der AFP. Sie brachte diese Diskrepanz sogar mit einem treffenden Satz auf den Punkt: Anti-Falten-Creme mit einem 20-jährigen Model zu bewerben, „ist nicht realitätsnah“.
Diese Strategie kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Branchenriesen ihre Umsätze steigern wollen. AFP merkt an, dass LVMH und Kering sich in einer schwierigeren Phase befinden, was die Marken dazu zwingt, enger mit ihren Kundinnen und Kunden in Kontakt zu treten. Doch diese Offenheit ist nicht ohne Tücken. Die Modekritikerin Sophie Fontanel warnte AFP davor, dass wir nicht eine Form von Altersdiskriminierung durch eine andere ersetzen sollten, bei der nur noch Frauen zwischen 50 und 65 Jahren, die immer noch „unglaublich“, sehr schlank und sehr sexy sind, als akzeptabel gelten.